Dohm.
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seinem Mußetage, am Sonnabend, sich um ihn zu sammeln pflegten.Jeder gebildete Christ, der in Mendelssohns Nähe kam, ließ vonselbst, von dessen Wesen angenehm angeweht, seine Vornrtheile gegenJuden fallen und empfand ein von Bewunderung und Mitleid ge-mischtes Gefühl für einen Volksstamm, der so viel Leiden durchge-macht und eine solche Persönlichkeit aus seiner Mitte erzeugt hat.Dohm hatte ohnehin bereits die angeborne und anerzogene Antipathiegegen Juden abgelegt. Seine Theilnahme für die Menschen beruhtenicht auf dem schwanken Grunde der christlichen Liebe, sondern ansdem festen Boden der humanen Bildung des achtzehnten Jahrhundertsund umfaßte auch diesen unglücklichen Volksstamm. Er hatte bereitseinen weiten Plan gefaßt, die „Geschichte der jüdischen Nation seitder Zerstörung ihres eignen Staates" zum Gegenstand seines Studiumszu machen. Dohm gedachte den Männern der Staatswissenschaft undden Staatslenkern vor Augen zu legen, daß die elende Verfassung,in der die Juden zur Zeit in den meisten Staaten Europas lebten,ein Rest der zugleich unpolitischen und unmenschlichen Vornrtheile derfinstern Jahrhunderte sei, unwürdig in unfern Tagen fortzudauern ^),
Dohm zeigte sich daher bald bereit, mit Mendelssohn gemein-schaftlich die Denkschrift für die Elsässer Juden in eine ansprechendeForm zu bringen st. Bei der Ausarbeitung derselben stieg ihm indeßder Gedanke auf, nicht bloß für diese einzelnen, sondern für diedeutschen Juden überhaupt, welche unter demselben Druck und der-selben Schmach litten, eine Schutzschri fll-de-r-^?ffentlichkeit zu über-geben. So entstand seine unvergeßliche Schrift: „lieber die bürger-liche Verbesserung der Juden" (vollendet August 1781), welche zuerstdas schwere Joch von dem Nacken der Juden lösen half. Dohm hatdamit, so wie Lessing mit seinem Nathan, die große Schuld, welchegerade das deutsche Volk an der Knechtung und Entwürdigung derJuden hatte, theilweise gesühnt. Rcuchlins schüchterne Stimme füreine bessere Behandlung der Juden (B. IXg, S. 97 ff.) wurde von dembetäubenden theologischen Geräusch der lutherischen Reformation inDeutschland erstickt. John Tolands lautere Forderung für siemachte keinen Eindruck, weil sie von einem Ketzer ausgegangeu war.Dohms Schutzschrift dagegen hatte keinerlei geistlichen Beigeschmack,wandte sich vielmehr an nüchterne, erleuchtete Staatsmänner und be-tonte nachdrücklich den politischen Nutzen. Gewiß, der edle Menschen-freund, welcher zuerst der Emancipation der Negerrasse das Wortredete, hatte weit weniger Schwierigkeit zu überwinden, als Dohm
st Dohm, a. a. O. I, Vorerinnerung.
st Gronau, a. a. O., S. 85.