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Geschichte der Juden.
arbeit betreiben. In Metz dursten sie nur solches Vieh schlachten,das zu ihrem eignen Gebrauche bestimmt war, und die rituellenSchlächter mußten Buch über das geschlachtete Vieh führen. Wolltensie außer ihrer engen Provinz Reisen machen, mußten sie Leibzollzahlen und sich Paßscherereien unterwerfen. In der Hauptstadt derProvinz, in Straßburg, durfte kein Jude über Nacht bleiben. Wasblieb ihnen anderes übrig, als sich die zu ihrer elenden Existenz un-erläßlichen Gelder auf ungesetzlichem Wege durch Wucher, zu ver-schaffen? Sie, d. h. die Geldbesitzer, machten den kleinen Handwerkern,Ackerbauern und Winzern Vorschüsse, auf die Gefahr hin, sie eiuzu-büßen und ließen sich dafür hohe Zinsen zahlen oder wendeten andereSchliche an. Dies machte sie nur noch gehässiger, und die einreißendeVerarmung des Volkes wurde ihnen zur Last gelegt; das war dieQuelle ihrer unsäglichen Leiden. Sie waren in der traurigen Lage,Andere und sich selbst unglücklich machen zu müssen.
Diese elende Lage der elsässischen Juden suchte ein gewissenloserMensch zu seinem Vortheil auszubeuten und brachte sie bis hart andie Grenze blutiger Verfolgung. Ein Gcrichtsschreiber, nicht ohneKopf und litterarische Bildung, Namens Hellst, von Hause aus armund nach einer hohen Stellung lüstern, bekannt mit den Schlichender jüdischen Wucherer, lernte eigens die hebräische Sprache, um ohneFurcht vor Entdeckung dieselben brandschatzen zu können. Er ließihnen Drohbriefe in hebräischer Sprache zukommen, daß sie wegenWuchers und Betruges unfehlbar angeklagt werden würden, wenn sie ihmnicht eine bestimmte Summe zukommen ließen. Dieser gewissenloseGerichtsschreiber wurde später Landrichter für einige elsässische Edel-leute, und dadurch waren ihm die Juden vollends prcisgegeben. Die-jenigen, welche seine immer gesteigerten Wünsche nicht befriedigten,wurden angeklagt, mißhandelt und verurtheilt. Indessen kamen seineUngerechtigkeiten zum Theil ans Licht; er wurde beargwöhnt, unddieses reizte ihn gegen sämmtliche Juden des Elsaß. Er faßte dahereinen Plan, den Fanatismus gegen sie aufzustacheln. Er wies denSchuldnern den Weg, wie sie sich der drückenden Schulden an
st Von dem anonymen Verfasser der Schmähschrift: Obssrvatious cl'uu^Isaeieu sur pnünirs yrsseuts clss luits ä'^lsaes, bemerkt Bonald in seinemjudenfeindlichen Artikel (Llsreurs trautzais) Febr. 1807, (wovon weiter unten):dieser sei früher Bailli und später Deputirter der Nationalversammlung gewesenund habe seine judenfeindliche Schrift 1790 neu ediren lassen. I)r. Jsler be-merkt in einer Note zu G. Riesser ges. Schr. III, S. 216: Der Verfasser derSchrift 0b8ervation8 ist Hell, geb. 1731, xroeureur 8MÜio cls8 stat8 ä'^Isaos,dranä-Lailli äe Imnässr, ex-eonsituaub, aämiiiiMrabsur <lu Ilaut-Ubiu. Erwurde 1794 guillotinirt.