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11 (1900) Geschichte der Juden vom Beginn der Mendelsohn'schen Zeit (1750) bis in die neueste Zeit (1848)
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Geschichte der Juden.

bürgerliche Gleichstellung, und wenn diese auch für den Augenblickvereitelt wurde, so hatte das Fehlschlagen doch keine ungünstigeWirkung für sie.

Der zweite Vorgang, obwohl er nur von einer vereinzeltenPersönlichkeit angeregt war, machte fast noch mehr von sich reden,als die Parlamentsvcrhandlnngen in England in Betreff der Juden.Diese Persönlichkeit war Arouet de Voltaire, im achtzehnten Jahr-hundert der König im Reiche der Litteratur, der mit seinem dämo-nischen Lachen die noch immer hochragende Veste des Mittelalterswie ein Kartenhaus umblies. Er, der an keine Vorsehung und keinensittlichen Fortschritt der Menschheit glaubte, war selbst ein mächtigesWerkzeug der geschichtlichen Triebkraft, um den Fortschritt anzubahnen.Voltaire, in seinen Schriften ein überwältigender Zauberer, ein Weiser,und in seinem Leben ein Thor, ein Sklave niedriger Leidenschaftenhatte mit den Juden angebunden und sie und ihre Vergangenheit demHohne preisgegeben. Seine feindliche Haltung gegen sie entsprangeiner persönlichen Verstimmung und Reizbarkeit. Während seinesAufenthaltes in London will er bei dem Bankerott eines jüdischenKapitalisten Medina von 25000 Frank, die er ihm geliehen hatte,80 Procent verloren haben. Man darf ihm nicht immer aufs Wortglauben.Medina sagte mir, daß er keine Schuld an dem Bankerotthabe, daß er unglücklich sei, daß er niemals ein Sohn des Belialgewesen. Er rührte mich, ich umarmte ihn, wir lobten Gott zusammen,und ich verlor mein Geld. Ich habe niemals die jüdische Nation ge-haßt, ich hasse Niemanden" ft.

Aber er, ein schmutziger Harpagus, der am Gelde klebte, haßtegerade wegen dieses, gleichviel bedeutenden oder geringen Verlustesnicht bloß diesen Juden, sondern Alle auf dem ganzen Erdrunde.Ein zweiter Vorfall reizte ihn noch mehr gegen sie. Als Voltairein Berlin und Potsdam Hofdichter, Korrektor und Kammerherr desKönigs Friedrich war, der dieses dämonische Genie zugleich bewun-derte und verabscheute, übertrug er einem jüdischen Juwelier Hirschoder Hirsche! (1750) einen schmutzigen Auftrag, den er später aufAnrathen eines brodneidischen Geldmenschen, Ephraim Beitel, rück-gängig machen wollte. Dadurch kam es zu Reibungen zwischen Voltaireund Hirsch und zuletzt zu einem Vergleiche, den aber jener ebenfallswortbrüchig aufheben wollte. Kurz Voltaire beging eine Reihe derhäßlichsten Schelmenstreiche gegen seinen jüdischen Unterhändler, betrogihn um Diamanten, mißhandelte ihn, log, fälschte Schriftstücke, und

ft Vgl. darüber den ArtikelVoltaire und die Juden", in FrankelsMonatsschrift, Jahrg. 1838, S. 183 f., sund Strauß, Voltaire, S. 149 fg.s