Acht gegen die Pentateuch-Uebersctzung. 43
zu befürchten. Er schien indeß abzuwarten, bis das Ganze vorliegenwürde, mn Beweise für die Verdainmungswürdigkeit desselben habenzu können. Darum sah sich Mendelssohn zeitig nach Beihilfe »in,nm seinen Eifer zu lähmen. Er drang daher in seinen FreundAugust v. Hennigs, dänischen Staatsrath und Schwager seinervertranten Freundin Elisa Reimarus, dahin zu wirken, daß derKönig von Dänemark und einige Hoflente auf das Werk zeichnenmöchten; das würde den Eiferer stutzig machen. Hennigs, ein Mannvon rascher That, wandte sich, um Mendelssohns Wunsch zu erfüllen,sofort an den dänischen Minister v. Guldberg. Zu seinem undMendelssohns Erstaunen fiel die Antwort ernüchternd und verletzendaus: Der König und seine erlauchten Brüder wären bereit, sich alsAbnehmer dabei zu betheiligen, wenn der Minister die Versicherunggeben könnte, daß in der Uebersetznng nichts gegen die Hoheit undWahrheit der heiligen Schrift enthalten sei, damit die Juden nichthinterher beweisen könnten, „daß Mose Mendelssohn ein Anhängerder (berüchtigten) Religion von Berlin sei''.
Die „Berliner Religion", das war damals der Schrecken derFrommen in der Kirche und Synagoge, und man kann nicht sagen,daß es eine Gespensterfurcht ivar. Um diesen über Religion spötteln-den Hiukfuß fernzuhalten, wollten eben die eifervollen Rabbiner jedenZugang zu den Häusern der Juden vermauern. Nicht bloß dieFolgezeit, sondern die allernächste Zeit bewies es, daß die Rabbinerdurchaus nicht Gespensterseher waren. Mendelssohn erkannte in seinerharmlosen Frömmigkeit den Feind nicht, obwohl er in seinem eigenenHause aus- und einging. Endlich erfolgte von Seiten RaphaelKohens der Bann über die Mendelssohn'sche Pentateuch-Uebersetzung(17. Juli*); er wurde über alle diejenigen Inden verhängt, welche sielesen würden. Der Verfasser wurde nicht in den Bann gethan, seies aus Rücksicht ans seine Bedeutung, sei es aus Schwäche undHalbheit. Indessen, ehe dieser Streich geführt wurde, hatte Mendels-sohn die Folgen schon abgewendet. Er wußte v. Hennigs zu über-zeugen, daß er ohne Gewissensbisse die Unterzeichnung des Königsfür die Pentateuch-Uebersetzung erwirken dürfe, und dieser setzte esauch durch. An der Spitze der Abnehmer stand der Name desKönigs Christian von Dänemark und des Kronprinzen verzeichnet.Dadurch war Raphael Kohen gehindert, die Verdammung und Ver-nichtung des von ihm verketzerten Werkes mit Nachdruck zu betreiben.
Die Gegner spielten indessen Mendelssohn einen Streich, umdie Vollendung der Uebersetznng zu Hintertreiben. Sie wußten ihm') S. Note I.