Hirschel Lewin.
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stndinm vollends verdrängt werden würde. Wenn auch Mendelssohnvon der religiösen Seite gut beleumundet war, so waren es seineUmgebung und seine Anhänger nicht. Unlautere Menschen, welchemit dem Judenthnm gebrochen hatten, nannten sich mit DünkelMendelssohnianer, waren bei der Beförderung des Absatzes fürdie Übersetzung rührig und brachten sie dadurch bei den Streng-frommen in Verdacht. Außerdem hatte Mendelssohn aus Bescheiden-heit eine kleine Unbesonnenheit begangen. Ter Rabbiner HirschelLewin (Löbel, geb. 172l, starb 1800^) von Berlin und das ganzeRabbinat hatten das Unternehmen amtlich gebilligt und belobt: daßMendelssohn ein verdienstliches, gottgefälliges Werk befördere. Hirschel,obwohl aus der Familie der Eiferer Chacham Zevi und Jakob Emden,war milden Sinnes und hatte sich in der Jugend mit nenhebräischerPoesie und Grammatik beschäftigt; die mit Aufklärung geschwängerteLuft von Berlin war dem religiösen Uebcreifcr nicht sehr zuträglich.Als einst der damals noch aus Stockfrommen zusammengesetzte jüdischeVorstand das Comödiespielen im Hause einer reichen Jüdin verbotenhatte und das schöne Kind Henriette de Lemos^) (später HenrietteHerz) plötzlich in der Sitzung der ernsten Männer erschienen war undgefleht hatte, ihr doch das unschuldige Vergnügen nicht zu stören (siehatte sich auf eine Rolle vorbereitet), schmolz das Eis der Stock-frommen augenblicklich, und sie gestatteten die Aufführung. So etivaskonnte damals nur in Berlin hingehen. Aber eben weil die BerlinerJndenheit auswärts bereits anrüchig war, hätte die Zustimmung ihresRabbiners die Mendelssohn'sche Übersetzung nicht decken können.Dazu kam, daß Mendelssohn eine unüberwindliche Scheu davor hatte,sich in der Stylmanier solcher Approbationsschreiben Weihranchwolkenins Gesicht blasen zu lassen, und darum Hirschels günstige Censurnicht veröffentlichen ließ. Gerade diese Bescheidenheit aber wurdeihm von Manchen als Hochmnth ansgelegt, als dünke er sich erhabenüber die Rabbinen und wolle sich von ihnen kein Zcngniß über seineRechtgläubigkeit crtheilen lassen. Genug, wer einen Makel an demUebersetzungswerke finden wollte, brauchte nicht viel zu suchen.
Wie es scheint, war Raphael Kohen, ein Mann von raschem
*) S. über ihn tlariuolzg Revue orientale III, x>. 219 (nicht ganz richtig),dessen Schrift über die Familien Rapaport und JnngtaubenS. 37; Auerbach, Geschichte der israelit. Gemeinde von Halberstadt, S. 89 f.;David Frisdländer, Verbesserung der Juden im Königreiche Polen, Eint. i>. XXXV.Änmerk. (und jetzt namentlichLandshu>th, ar? miirn, S. 69—121). HirscheisApprob. zu Mendelsohns Pentateuch ist datirt von 1778.
2) I. Fürst, Henriette Herz, ihr Leben und Erinnerungen. S. 89.