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Geschichte der Juden.
große Verehrung. Er war klug und überlegt und lernte mit derZeit mit dem Strome schwimmen. Der andere, Raphael Kohen,Rießers Großvater (geb. 1722, starb 1803), aus Polen eingewandertund von Posen zum Rabbinate der Drei-Gemeinden (Hamburg, Altona,Wandsbeck) berufen, war ein standhafter und charaktervoller Mann,ohne Falsch und jeglichen Hintergedanken, der als Richter, ohne An-sehen der Person, Recht sprach und das Recht als die Stütze desThrones Gottes betrachtetes. Der dritte und jüngste war HirschJanow, wegen seines Tiefsinns in talmndischen Discnssionen der„Scharfsinnige" (Charis) znbenannt (geb. 1750, starb 1785 °),Schwiegersohn Raphael Kohens. Sein scharfer Kopf nmspann ebenso die verwickelten Lehrsätze der Mathematik wie die des Talmud.Nachdem sein Schwiegervater den Ruf nach Hamburg-Altona ange-nommen hatte, wurde der sechsnndzwanzigjährige Hirsch Charis zumRabbiner von Posen erwählt, aber gleich darauf nach Fürth berufen.Er war ganz Selbstlosigkeit. Das geringe Einkommen von der ver-armten Posener Gemeinde verwendete er für Unglückliche; er gab mitherzgewinnender Milde, ohne viel zu fragen, ob die EmpfängerStrenggläubige oder Ungläubige waren, während er selbst darbte.Er machte Schulden, um Dürftige aus dem Elend zu reißen. Erwar ein tiefer Denker, der Gelegenheit hatte, die Menschen von derschlechtesten Seite kennen zu lernen. Salomon Maimon nannte diesenRabbiner von Posen und Fürth „einen göttlichen Mann", was ansdiesem Munde nicht als Uebertreibung angesehen werden kann. Zudiesen drei Rabbinen kann man noch einen vierten gleichgesinntenzählen, Pinchas Ha-Levi Hurwitz (geb. 1740, starb 1802), Rabbinervon Frankfurt a. M., ebenfalls ein Pole und gar ans der chassi-däischen Schule hervorgegangen ^). Sie und ihre Gesinnungsgenossen,welche das Lesen eines deutschen Buches für eine schwere Sündehielten, waren eigentlich in ihrem Rechte, sich der Neuerung zu wider-setzen. Sie sahen voraus, daß die jüdische Jugend aus der Mendcls-sohn'schen Uebersetzung viel mehr die deutsche Sprache als dasVerständnis; der Thora lernen werde, daß jene immer mehr zurHauptsache werden, die Beschäftigung mit der heiligen Schrift da-gegen zur bedeutungslosen Nebensache herabsinken, und das Talmud-es Gabriel Riesters Leben nebst Mittheilungen aus seinen Briefen vonDr. Jsler I, S. 38.
°) S. Note I.
") S. Note 1 und 2. (Nach Horowitz, I)r. M. Frankfurter Rabbinen IV,S. 24. 82 war Pinchas Horowitz um 1730 geb. und starb am 1. Juli 1805.lieber sein Auftreten gegen Mendelssohn vgl. das. S. 51—59.)