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11 (1900) Geschichte der Juden vom Beginn der Mendelsohn'schen Zeit (1750) bis in die neueste Zeit (1848)
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38 Geschichte der Juden.

Abgeschmacktheit, ja selbst jede Lästerung in die Schriftverse hineingedeutelt wurden. So war gerade das, was ein Labsal für dieSeelen hätte sein sollen, in ein Gift verwandelt. Am tiefsten empfandMendelssohn diese Verkennung und Entstellung des Bibelwortes, erder zu der lichten Erkenntniß gekommen war, daß die heilige Schriftnicht das enthalte,was Juden und Christen darin zu finden glaubten",und daß eine einfache, geschmackvolle Uebersetzung ein wichtiger Schrittzur Hebung der Cultur unter den Juden werden dürfte. Aber inseiner Bescheidenheit und Scheu, öffentlich aufzntreten, fiel es ihmnicht ein, dieses Erziehungsmittel für seine Stammesgenossen anzu-wenden. Nur für seine Kinder arbeitete er eine Uebersetzung des Penta-teuchs aus, um ihnen eine gediegene Erziehung zu geben und ihnendas Gotteswort in «rnentstellter Form znzuführen, unbekümmert darum,wie er sich äußerte,ob sie noch ferner gezwungen sein würden, inSachsen-Gotha bei jeder Durchreise ihren jüdischen Kopf mit einemWürfelspiel zu verzollen oder irgend einem kleinen Satrapen dasMärchen von den drei Ringen zu erzählen." Erst auf das Drängeneines Mannes, dessen Wort Gewicht bei Mendelssohn hatte, entschloßer sich, seine Uebersetzung des Pentateuchs in deutscher Sprache (mitjüdisch- deutschen Lettern) für jüdische Leser zu veröffentlichen Z. Eskostete ihn aber Ueberwindung, seinen Namen dabei zu nennen'^).

Er kannte sein jüdisches Publikum zu gut, um nicht zu wissen,daß die Uebersetzung, wie vorzüglich sie auch immer ausfallen mochte,wenig Beifall finden würde, wenn sie nicht mit einer hebräischen Er-klärung verbrämt sein würde. Was galt damals für den verderbtenGeschmack jüdischer Leser ein Buch ohne Commentar? Seit undenklichenZeiten, seitdem die Commentare und Snpercommentare aufkamen, warendiese viel mehr beliebt, als der schönste Text. Mendelssohn gewann dahereinen unterrichteten Polen, Salomo Dubno (geb. 1734 starb 1813^),der, eine rühmliche Ausnahme unter seinen Landsleuten, hebräische Gram-matik gründlich verstand, die Ausarbeitung eines fortlaufenden Commen-tars zu übernehmen. So wurde das Werk in Angriff genommen, zu-nächst durch Sammeln von Unterschriften der Abnehmer, ohne welchesdamals kein Buch in die Welt gesetzt werden konnte. Hier zeigtesichs, daß Mendelssohn bereits unter seinen Stammesgenosfen, in und

Z Für christliche Leser wurde die Uebersetzung mit deutschen Lettern aufgelegt.") S. die Einleitung zu Mendelssohns Pentateuch,b) S. hebr. Zeitschr. 2ion I, S. 64 f.; vgl. dagegen Oarinolz', Lerneorientale I, p. 192. Dubno Kat auch einige nicht ganz schlechte hebr. Versegemacht. sDer 12. Oktober 1738 war sein Geburtstag, der 23. Juni 1813 seinSterbetag. Steinschneider, 0. L. Nr. 6909.j