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Geschichte der Juden.
sich ein glühender Zorn gegen den Dichter zusammen, als ob er dasChristenthum herabgesetzt hätte. Die Fragmente und die antigözischenStreitschriften hatten ihm nicht so viel Feinde gemacht, als der „Nathan".Seine Freunde selbst zeigten ihm nur kalte,Gesichter, mieden ihn, schlossenihn, der Geselligkeit liebte, von geselligen Kreisen ans und überließen ihnder Verfolgung seiner Feinde. Er fühlte sich durch diesen stillen Banngekränkt, verlor immer mehr seine heitere Laune und die Elasticitätseines Geistes und wurde müde, schläfrig, fast stumpf. Die Frommenhaben ihm das letzte Jahr seines Lebens reichlich verbittert. Er starbim kräftigen Mannesalter wie ein Greis, ein Märtyrer seiner Liebezur Wahrheit. Aber seine herzgewinnende melodische Stimme für diegegenseitige Duldung drang durch und sänftigte allmählich die Miß-töne des Hasses und der Vornrtheile. Trotz des Bannes, der den„Nathan" wie seinen Erzeuger in protestantischen wie in katholischen Län-dern traf, wurde dieses Drama eines der volkstümlichsten der deutschenPoesie, und so oft die mit Ueberzeugung gedichteten Verse von den Bühnenertönen, ergreifen sie die Herzen der Zuhörer und lösen die Glieder-kette des Judenhasses in den deutschen Gemüthern, die sich am schwerstendavon losmachen konnten. Nathan hat kn dem Bewußtsein des deutschenVolkes Furchen gezogen, die trotz ungünstiger Umstände sich nicht mehrganz geschlossen haben. Zwanzig Jahre vorher, als Lessing sein Erst-lingsdrama „die Inden" in die Welt setzte, tadelte es ein hochmüthigerTheologe, daß es allzu unwahrscheinlich sei, daß unter einem Volke, wiedas jüdische, ein solches edles Gemüth, wie es der Jude in dem Stückzeigt, sich auch nur bilden könne. Beim Erscheinen des Nathan zweifeltekein Leser desselben, daß ein solcher edler Jude Vorkommen könne.Diese Ungeheuerlichkeit durfte auch der Verstockteste nicht mehr Vorbringen.Der jüdische ideale Weise leibte und lebte in Berlin und war eineZierde nicht bloß der Juden, sondern zugleich der deutschen Nation.Ohne Mendelssohn hätte das Drama „Nathan" nicht entstehen können,wie er nicht ohne Lessings Freundschaft das geworden wäre, was erfür die deutsche Litteratur wie für die Jndenheit geworden ist. DieInnigkeit des Verhältnisses zwischen diesen beiden Freunden zeigtesich nach Lessings Tode. Seine Brüder und Freunde, die erst nachdessen Verscheiden seine ganze Größe ahnten, wandten sich mit ihremSchmerze über den Verlust an Mendelssohn, als verstünde es sich,daß er der Hauptleidtragende sei. Und er war es auch. Keiner seinerFreunde hat dessen Andenken mit so wehmüthiger Erinnerung undmit religiöser Verehrung bewahrt wie Mendelssohn. Er war vorAllem darauf bedacht, es vor Verkennung und Fälschung zu schützen.