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11 (1900) Geschichte der Juden vom Beginn der Mendelsohn'schen Zeit (1750) bis in die neueste Zeit (1848)
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Nathan der Weise.

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vermeintliche Jndenmädcheu, gerettet hat, fährt mit christlichem Hoch-muth Nathan ranh und barsch an, während er ihm für die Rettungseiner Pflegetochter warmen Dank entgegenbringt. Erst nach und nach,durch der Liebe Wnnderkraft, legt der Tempelherr die rauhe, häßlicheKruste seiner christlichen Borurtheile ab. Es fließt auch noch moham-medanisches Blut in seinen Adern. Nur die heilige Einfalt des Kloster-bruders Bonafides verbindet noch menschliche Güte mit klösterlicherKirchlichkeit; aber er kennt nur eine Pflicht, Gehorsam, und würdeauf ausdrücklichen Befehl des fanatisch grausamen Patriarchen die ent-setzlichsten Verbrechen begehen.

Diese Lehren predigte Lessing von seiner Theaterkanzel den ver-stockten Gemüthern der Christgläubigen. Der weise Jude Nathan-Mendelssohn steht bereits auf der Höhe humaner Gesinnung, derbeste Christ, der Tempelherr, jeder gebildete Christ die Nikolai, dieAbt, die Herder müssen sich erst von ihren dickhäutigen Vorur-theilen los machen, um dazu zu gelangen. Das Pochen ans die eigenewahre Religion und die rechte Seligkeit ist ein Wahn. Wer besitztden echten Ring? Wodurch kann der echte von dem unechten unter-schieden werden? Jedenfalls durch Sanftmuth, herzliche Verträglichkeit,Wohlthun und innigste Ergebenheit in Gott, kurz durch alles das,wovon das kirchliche Christenthum damals nicht allzuviel zeigte, undwas in Mendelssohn vollendet war.

Mit jedem Zuge hat Lessing in diesem Drama das verknöcherte,verfolgnngssüchtige Christenthum gegeißelt und das Judenthum we-nigstens in seinem Hauptvertreter verherrlicht. Als sollte dieses.herrliche Drama, die erste schöne Frucht der deutschen Poesie, obwohlvon einem christlichen Dichter in die Welt gesetzt, der Judenheit ge-hören, hat ein Sohn Israels die Geburt desselben gefördert. Lessing,von theologischen Feinden bestürmt und mit gemeiner Noth kämpfend,hätte es nicht zu Stande bringen können, wenn er nicht während derAusarbeitung ohne Sorge hätte leben können. Er brauchte einenVorschuß und fand unter den Christen keinen Helfer. Ein Jude,Mose Wessely^) in Hamburg, ein Bruder des später in die jüdischeGeschichte eingreifenden nenhebräischen Dichters Naphtali Wessely,machte ihm diesen Vorschuß, obwohl er nicht zu den reichen Judengehörte, und verlangte nur die Ehre zu haben, ein Schreiben vonLessings Hand zu besitzen.

Lessiug hatte sich nicht getäuscht, daß dieses Drama die frommeChristenheit mehr ärgern werde, als zehn antigözische Streitschriften.Sobald es in die Oeffentlichkeit gedrungen war (Frühjahr >779) ballte

s') Die Litteratur über ihn s. bei L. Geiger, Gesch. d. Juden in Berlin II, 138.j

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