34
Geschichte der Juden.
vorschreibt. Im fanatischen Gemetzel der Kreuzzüge hatten wildeChristen in Jerusalem alle Juden mit Weib und Kind ermordet undihm selbst ein geliebtes Weib mit sieben hoffnungsvollen Söhnen ver-brannt. Anfangs raste, tobte und murrte er gegen das Geschick, dannsprach er in Hiobs Duldergröße:
„Doch war auch Gottes Rathschluß das! Wohlan!"
In diesem wehmüthigen Schmerze bringt ihm ein Reitknecht einjunges, zartes, christliches Kind, ein verwaistes Mädchen, und Nathannahm es, trugs auf sein Lager, küßte es, warf sich auf seine Knieeund dankte Gott, daß er ihm doch wenigstens die verlorenen Siebendurch eins ersetzt habe. Dieses christliche Mädchen liebte er nicht nurmit der ganzen Gluth eines Vaterherzens, sondern erzog es auch mitäußerster Gewissenhaftigkeit. Nicht diese oder jene Religion und nochweniger die Seinige flößte er in Rechas oder Blankas junge Seele,sondern nur die Lehre von reiner Gottesverehrung, idealer Tugendund Sittlichkeit. So der Vertreter des Judenthums.
Wie handelte dagegen der Vertreter des Christenthums? DerPatriarch von Jerusalem, der mit seiner Kirche von dem großherzigenSultan Saladin kraft eines feierlich beschworenen Vertrages in dermohammedanischen Stadt geduldet wird, sinnt auf verrätherische Plänegegen den Sultan, schmiedet Ränke gegen ihn:
„Nur — meint der Patriarch, sei Bubenstück„Vor Menschen nicht auch Bubenstück vor Gott".
Für Nathan will er einen Scheiterhaufen anzüuden, weil er einverlassenes christliches Kind gehegt, geliebt und zur liebreizenden seelen-vollen Jungfrau erzogen hatte. Das Kind wäre ohne des JudenErbarmen im Elend verkommen:
„Thnt nichts, der Jude wird verbrannt."
Daja, eine andere Vertreterin des kirchlichen Christenthums, dieum Rechas christliche Abstammung weiß, hat Skrupel, daß sich dasChristenkind in eines Juden warmer Liebe sonnt. Sie unterdrücktzwar diese Gewissensbisse mit kostbaren Geschenken, aber sie sinnt dochnur darauf, Nathan das Liebste, woran seine Seele hängt, zu entziehen,sollte er auch dadurch in Fährlichkeit gerathen.
„Sie ist eine von den Schwärmerinnen, die„den allgemeinen, einzig wahren Weg„nach Gott zu wissen wähnen."
„.denselben Menschen
„Zur selben Zeit zu lieben und zu hassen."
Der Tempelherr Leu von Filneck vertritt eine andere Seitedes Christenthums. Ein Soldat und Geistlicher zugleich, der, vonSaladin trotz Wortbruches verschont, im Müssiggange Recha, das