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Nathan der Weise.
meren Possen spielen sollte, als es zehn Fragmente gethan habenwllrden. Sie donnerten gegen ihn von ihren Kirchenkanzeln herab,da schickte er sich an, ihnen von seiner Theaterkanzcl zn antworten.Das jüngste, reifste, vollendetste Kind seiner Muse, „Nathan derWeise", sollte sein Rächer werden. Lessing hatte das Gewebe schoneinige Jahre früher im Kopfe hernmgetragen, die Vollendung desselbenkonnte er zn keiner günstigeren Zeit in die Welt setzen.
Zum Aerger der hochmüthigen christlichen Frommen, welche beiall ihrer Engherzigkeit, Lieblosigkeit und Verfolgnngssucht im Glaubenan Jesum alle Tugenden für sich in Anspruch nahmen und die Judensammt und sonders als Verworfene verschrieen, stellte Lessing einenJuden als fleckenloses Ideal der Tugend, der Weisheit und Gewissen-haftigkeit auf. Dieses Ideal hatte er in Moses Mendelssohn ver-körpert gefunden i). Ihn und seine Charaktergröße beleuchtete erdurch das Helle Licht theatralischer Effekte und prägte ihn der Ewigkeitdurch den Wohllaut der edelsten Sprache und den Wohlklang unver-gänglicher Poesie ein. Der Hauptheld seines unsterblichen Dramasist ein Weiser und Kaufmann wie Mendelssohn, „ebenso gut als klugund ebenso klug als weise". — Sein Volk verehrt ihn als einenFürsten; doch daß es ihn den weisen Nathan nennt — vor Allemhätt's ihn den guten nennen können:
„die Mild' ihm im Gesetz geboten, die„Gefälligkeit ihm aber nicht geboten, macht„die Mild' ihn zu dem ungefälligsten„Gesellen auf der Welt ....
„ . . . . Wie frei von Vorurtheilen„Sein Geist, sein Herz wie offen jeder Tugend,
„Wie eingestimmt mit jeder Schönheit sei,
„.welch' ein Jude!
„Und der so ganz ein Jude scheinen will."
Ein Sohn des Judenthums, hat sich Nathan zur höchsten Höhehumaner Gesinnung erhoben, weil ihm auch sein Gesetz diese Milde
U Alle Sophistereien Kuno Fischers sind nicht im Stande, die Thatsachswegzuklügeln, daß Lessing wahre Humanität, die fern von jedem Glaubens-wahne und Seligmacherei ist, nur unter den Juden fand, wie er sie in Mendels-sohn verkörpert sah. Die pointirte Antithese, daß ein Jude, wenn er nicht einNathan wird, ein Shylock sein müsse (K. Fischer, Lessings Nathan der Weise,Stuttgart 1864, S. 104 f.) ist eine schillernde Seifenblase. Faktisch war keinJude ein Shylock, wohl aber ein Christ. — Konnte Lessing einen christlichenHelden auffinden, der ein ihm übergebenes Kind confessionslos erzogen hätte?Nur ein Jude, der fern von Proselytenmacherei ist, konnte das im Drama thun,weil er es auch im Leben thun würde.
Graetz, Geschichte der Juden. XI.
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