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11 (1900) Geschichte der Juden vom Beginn der Mendelsohn'schen Zeit (1750) bis in die neueste Zeit (1848)
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Geschichte der Juden.

Christenthum seien unwiderleglich Z. Die Anonymität machte dieSpannung noch größer. Man rieth hin und her, wer der Verfasserwohl gewesen sein mag. Auch Mendelssohns Name wurde dabeiöffentlich genannt"). Nur Wenige wußten, daß der auch von den Theologenverehrte Reimarus diesen Streich gespielt hatte. Der ganze Zorn derEiferer entlud sich daher auf de» Herausgeber Lessing. Er wurdevon allen Seiten angefallen und hatte keinen Mitstreiter zur Seite.Sein jüdischer Freund wäre ihm gerne beigesprungen; aber durfte ersich in diese häusliche Angelegenheit mischen? Unter vielen Gemein-heiten, welche die Frommen Lessing anfbürdeten, gehörten auch diese,daß die reiche jüdische Amsterdamer Gemeinde ihm für die Veröffent-lichung der Wolfenbüttler Fragmente 1000 Dukaten geschenkt hätteAber von jeher gewohnt, mit seinen starken Armen allein gegen Unge-schmack und Unverstand zu kämpfen, war Lessing Mannes genug, sichselbst zu schützen. Es gewährt eine Freude, diesen Riesen im Kampfezu sehen, wie er vernichtende Streiche mit freundlichem Lächeln undAnmnth führte. Er streckte alle seine Feinde nach einander niederund am nachdrücklichsten den Typus der dnmmgläubigen, hochmüthigen,hämischen Orthodoxie, den Pastor Göze in Hamburg. Seine gegen-gözischen Pfeile hätten, so wie sie diesen Vertreter des Wittenbergerverstockten Lutherthums niedergeschmettert haben, so auch das ganzeGebäude Umstürzen können, wenn Lessing nicht in der Täuschung be-fangen gewesen wäre, daß das reine Christenthum mit Humanität einssei. Im fehlte die Ueberzeugnng und darum auch der Muth, denletzten Gedanken folgerichtig auszusprechen. Da seine zwerghafteuGegner auf literarischem Wege diesem Mikromegas nicht beikommenkonnten, so riefen sie den weltlichen Arm zu Hülfe. Lessings Beiträgewurden verboten, confiscirt, die Handschrift der Fragmente mußte erausliefern, die Censurfreiheit wurde ihm entzogen, und noch dazuwurde ihm zugemnthet, nichts mehr in dieser Angelegenheit zu schreiben(1778). Er wehrte sich zwar auch gegen diese Vergewaltigung, aberer war in einem Punkte verwundbar. Der größte Mann, den Deutsch-land bis dahin erzeugt hatte, war mittellos, und da seine Stelle alsBibliothekar auf dem Spiele stand, mußte er sich nach einem Noth-groschen umsehen. In einer seiner schlaflosen Nächte (10. Aug. 1778)fiel ihm ein Plan ein, welcher zugleich seiner Geldverlegenheit einwenig aufhelfen und den lutherischen Theologen einen noch schlim-

i) Vgl. Semmler, Vorrede zur Beantwortung der Fragmente, Halle 1779.

-) Lessings Brief an seinen Bruder vom 29. Oct. 1778.

Lessings Brief an seinen Bruder ä. ,1. 25. Febr. und an Elisa Rei-