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11 (1900) Geschichte der Juden vom Beginn der Mendelsohn'schen Zeit (1750) bis in die neueste Zeit (1848)
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Reiinarus und Lessings Fragmente. Zl

Geschichte und Litteratur aus den Schätzen der Biblioihek zu Wolfcn-büttel" ^). Stufenweise verfuhr er mit der Veröffentlichung dieserFragmente. Die ersten Bruchstücke traten gewissermaßen bittendauf, um der Veruuuftreligion gegenüber der Religion des Katechismusund der Kanzel auch das Wort zu gönnen, den vernünftigen un-christlichen Verehrern Gottes Duldung einzuräumen. Dann wagte ereinen weiteren Schritt, die Unmöglichkeit der Wunder nachzuweiscn,worauf die Kirche beruht, und ganz besonders die Uugeschichtlichkcitund Unglaubwllrdigkeit von Jesu Auferstehung, einer Hauptsäule desChristenthums, womit es steht und fällt, augenscheinlich zu machenGanz zuletzt rückte Lessing mit den bedeutendsten Fragmenten heraus(Anfang 1778)vom Zwecke Jesu und seiner Jünger". Darin warauseinaudergesetzt, daß Jesus sich lediglich zum jüdischen Messias undznm Könige der Juden habe aufwerfen wollen. Dazu habe er mitseinen Jüngern geheime Veranstaltungen getroffen und Verschwörungenunterhalten, um eine Art Revolution in Jerusalem zu entzünden; erhabe sogar gegen die Obrigkeit gehetzt, um den hohen Rath, das Syn-hedrion, zu stürzen. Als ihm aber sein Umsturzplan mißlungen sei,indem die jüdischen Behörden aus Furcht vor den Römern jedenAufstandsversuch nicderzuhalten gezwungen waren, und als Jesusden Tod habe erleiden müssen, hätten die enttäuschten Jünger einanderes System erdacht und erklärt: Jesu Reich sei nicht von dieserWelt. Sie hätten ihn als geistigen Erlöser für das ganze Menschen-geschlecht gepredigt, dabei aber auf seine baldige Wiederkunft die Auf-merksamkeit gerichtet; die Evangelien hätten die ursprüngliche LehreJesu vertuscht und entstellt.

Diese Behandlung der christlichen Urgeschichte, welche das ganzeChristenthum über den Haufen zu werfen geeignet war, schlug wieein Blitz ein. Sie war nüchtern, überzeugend und wissenschaftlichausgeführt und doch für Jedermann verständlich. Eine Art Erstaunenund Verblüffung war der Eindruck, die das letzte Fragment besondershervorrief. Staatsmänner und Bürger waren ebenso davon ergriffenwie die Theologen. Die Urtheile waren im Publikum getheilt. ErnsteJünglinge, welche die theologische Laufbahn einschlagen wollten, stutzten,mochten nicht ihre Lebensthätigkeit an eine Sache hingeben, welchevielleicht nur ein Wahn ist, und wählten lieber einen andern Lebens-beruf. Manche behaupteten, die Beweise des Fragmentisten gegen das

-) Der Druck der Wolfenbüttler Fragmente begann in Braunschweig 177 tund wurde mit Unterbrechung fortgesetzt bis >778. fVgl. D. F. Strauß, Rei-marus und seineSchutzschrist für die vernünftigen Berehrer Gottes". 2. Ausl.Bonn, >877.1