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11 (1900) Geschichte der Juden vom Beginn der Mendelsohn'schen Zeit (1750) bis in die neueste Zeit (1848)
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Geschichte der Juden.

die Luge kommen würde, ihn auf diese Aftergötter, die den Himmelerobert zu haben glaubten, zu schleudern. Bei seinem unstäten Leben,welches seinem unruhigen Geiste entsprach, war Lessing nach Hamburggekommen und hatte mit der geachteten und denkfreien Familie ReimarusBekanntschaft gemacht. Der tiefe Forscher Herrmann SamuelReimarus (geb. 1694, gest. 1768) hatte im Unmuth über das ver-knöcherte und doch so anmaßlich anftretende lutherische Christenthumder Hamburger Pastoren eineSchutzschrift für die vernünftigenVerehrer Gottes" ansgearbeitet, Welche jede geoffenbarte Religionverwarf, der Vernunft ihr verkümmertes Recht verschaffen wollte undganz besonders den Stifter des Christenthnms herabsetzte. Reimarushatte aber nicht den Mannesmuth, das, was er als wahr erkannthatte, laut auszusprechcn und die Schäden der herrschenden Religionnach seiner Ueberzeugnng öffentlich bloßzulegen. Er hinterließ dieseSchrift, welche in ihren Falten gefährlichen Zündstoff enthielt, seinerFamilie und gewissermaßen einem geheimen Qrden freidenkenderMitglieder als Vermächtniß. Elisa Reimarus, eine edle, ihresVaters würdige Tochter, gab Bruchstücke dieser Brandschrift anLcssiug, der sie mit Inbrunst las und zu veröffentlichen gedachte.Indessen traute er sich iu theologischen Streitpunkten kein maß-gebendes Urtheil zu und übergab diese Bruchstücke seinem urtheils-fähigen jüdischen Freunde zur Prüfung. Mendelssohn fand zwardiese Schrift nicht so sehr überzeugend, weil der Verfasser, durch dasUebermaß der kirchlichen Gläubigkeit erbittert, in den entgegengesetztenFehler verfallen war, den nüchternsten Unglauben auf den Thron zusetzen und in der Kurzsichtigkeit jener Zeit in gewaltigen geschicht-lichen Erscheinungen kleinliche Umtriebe zu finden. Mendelssohn ver-mochte aber nicht seinen Freund davon abzubringen, daß diese Schriftdie gute Wirkung Hervorbringen müßte, den Hochmnth der Kirchezu demüthigeu. Endlich beschäftigte er sich mit dem Gedanken,Reimarus Brandraketen unter einem falschen Namen in die Kirchezu werfen. Aber die Berliner Censur mochte nicht die Bewilligungzum Druck ertheilen. Da faßte Lessiug einen anderen Plan. Erhatte mit der Uebernahme der Herzoglich-Braunschweigischen Biblio-thek iu Wolfenbüttel die Freiheit erlangt, die handschriftlichen Schätzeder reichen Sammlung zu veröffentlichen. Im Interesse der Wahr-heit erlaubte er sich die Unwahrheit, als ob er dieBruchstückeeines Unbekannten" in dieser Bibliothek gefunden hätte, einesVerfassers, der sie ein Menschenalter vorher niedergeschrieben habe.Unter dieser Mummerei begann er die Veröffentlichung derselben,gedeckt durch seine Censurfreiheit für Herausgabe von Beiträgenzur