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11 (1900) Geschichte der Juden vom Beginn der Mendelsohn'schen Zeit (1750) bis in die neueste Zeit (1848)
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Geschichte der Juden.

befriedigte wahrscheinlich den Rabbinen, der kein Eiferer war. Aberseine Rechtglänbigkeit wurde doch dadurch den Strengfrommen, die erdie Kölbele unserer Glaubensgenossen" nannte, verdächtig. Ermußte sich rechtfertigen, daß er weit davon entfernt gewesen sei, dieAussprüche der talmudischen Weisenfür bloße Scharteken" erklärtzu Habens. Wissensdurstige junge Polenmit guten Köpfen, aberwirren Gedanken", reine und unreine Elemente wie AbrahamWolf Rechenmeister, der ein Muster von Genügsamkeit und Opfer-frendigkeit war^), der Dichterling Jsachar Falkensohn Behr undAbba-Glossk, der nicht verdient hat, von Chaunsso besungen zuwerden solche abenteuerliche Gestalten drängten sich an Mendels-sohn und brachten ihn in üblen Geruch. Die Meisten derselben hattennicht bloß mit dem Talmud, sondern mit der Religion und Moralüberhaupt gebrochen, führten ein wüstes Leben und hielten Solcheseben für Philosophie und Aufklärung. Ans Liebe zu den Menschenund dem selbstständigen Denken ließ sich Mendelssohn mit ihnen ein,dispntirte mit ihnen, beförderte und unterstützte sie. Dieser Umgangwarf ebenfalls ein falsches Licht ans sein Verhalten zum Judeuthum.Ihr Leichtsinn und ihre Ausschreitungen wurden ihm zur Last ge-legt; sie galten als seine Schützlinge und Jünger^).

Bald gab er Gelegenheit, diesen Argwohn zu erhöhen. DerHerzog von Mecklenburg-Schwerin hatte den Juden seines Landes inmild väterlicher Weise verboten (April 1772), die Leichen nachjüdischem Brauch so rasch zu bestatten, daß der Todte vom Schein-todten nicht unterschieden werden konnte. Die jüdische Pietät gegenVerstorbene, sie nicht oberhalb der Erde der Verwesung auszusetzen,welche im Ritual-Codex versteinert wurde, fühlte sich durch diesesEdict verleM, als wenn der Herzog ihnen zugemuthet hätte, dieReligion zu übertreten. Die Vertreter der Gemeinde von Schwerinwandten sich daher flehend an Jakob Emden in Altona^), den be-reits greisen Eiferer für die Rechtgläubigkeit, ihnen beizustehen undtalmudisch-rabbinisch zu beweisen, daß das längere Unbestattetlassender Leichen ein sehr wichtiger Punkt des Judenthnms sei. Emden,der seine Unfähigkeit kannte, eine Denkschrift über diese Sache indeutscher Sprache auszuarbeiten, wies die Schweriner an Mendelssohn,dessen Wort bei Fürsten großes Gewicht habe. Sie befolgten seinenRath, und auch Emden unterstützte ihr Gesuch. Wie erstaunt waren

fl Bei Kayserling a. a. O. S. 492. 495.

fl S. über ihn Anekdoten von guten Juden, Nr. 29.

2) -S. Jakob Emdens Brief an M., Usasssk 1-785, S. 184 f.

fl S. B. Xg, S. 357 f.