Kölbele.
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Mendelssohn cingebnnden und ihn in einem verschollenen Nomone voneiner seiner hölzernen Figuren schmähen lassen; dann wollte er einen„Antiphädon" gegen Mendelssohns „Phädon" schreiben oder geschriebenhaben. Seine ganze Galle entleerte er aber in einem Sendschreibenan „Herrn Mendelssohn über die Lavater'schcn und Kölbele'schen An-gelegenheiten" (März 1770). Gegen Mendelssohns Behauptungenvon der Lauterkeit der Lehre des Jndeuthums führte er die Ver-länmdnngen und Verdrehungen seines Genossen Eisenmenger auf.Mendelssohns reiner, selbstloser Charakter war, man kann fast sagen,in den gebildeten und hohen Kreisen Europas bekannt. Nichts destoweniger verdächtigte ihn Kölbele, daß er nur ans Eigennutz imJudenthum verharre, „weil ein jüdischer Buchhalter besser gestellt seials ein christlicher Professor, und jenem in den Vorzimmern der Fürstenauch mancher Vortheil zu Gute käme". Auf Mendelssohns Betheuerung:er werde sein Lebenlang im Jndenthnm verharren, erwiderte derschmähsüchtige Narr oder Verläumder: „Wie wenig geben die Christenauf Judeneide!" Mit wenigen Worten fertigte ihn Mendelssohn inder Nachschrift zu einem Sendschreiben an Lavater ab. Er brauchtenicht mehr; Kölbele hatte sich selbst gerichtet. Mendelssohn hatte vondiesen Schmähungen den Vortheil, daß anständige Schriftsteller, diesich innerlich wegen dessen selbstständigen und kühnen Auftretens nichtwenig ärgerten, ihn in Ruhe ließen; sie scheuten Kölbeles Genossen-schaft. Siegreich ging Mendelssohn auch aus diesem nur scheinbarkleinlichen Streit, der sich fast zwei Jahre hinzog, hervor; er hatte inder öffentlichen Meinung dadurch an Achtung gewonnen, daß er somannhaft für seine angestammte Religion aufgetreten war.
Er hatte aber auch deswegen von Seiten der jüdischen Frommeneine Anfechtung zu erdulden. Das, was seine Klugheit ihn befürchtenließ, traf ein. In seiner Wahrheitsliebe hatte er öffentlich geschrieben,daß er im Judenthum „menschliche Zusätze und Mißbräuche gefunden,welche dessen Glanz nur zu sehr verdunkeln." Diese Aeußerung ver-letzte alle Diejenigen, die in jeder noch so unjüdischen Gewohnheit,welche die Zeit und der Codex geheiligt hatten, eine sinaitische Offen-barung verehrten. Die Gesammt-Judenheit und sämmtliche BerlinerGemeindemitglieder, mit Ausnahme der wenigen, die zu MendelssohnsKreis gehörten, gaben nicht zu, daß sich Rost an das edle Metalldes Judenthums angesetzt hatte. Er wurde daher wegen dieserAeußerung, wahrscheinlich von dem damaligen Rabbiner Hirsche! Lew in,zur Rede gestellt und um eine nähere Erklärung befragt: was erdarunter verstanden habe. Er gab sie und konnte sie gebenZ. Sie
Schreiben an Lavater, Ges. Schr. III, S. 90.