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11 (1900) Geschichte der Juden vom Beginn der Mendelsohn'schen Zeit (1750) bis in die neueste Zeit (1848)
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Geschichte der Juden.

Wahrheit des Christenthums, mit dessen Hülfe Lavater sicher geglaubthatte, Mendelssohn bekehren zu können, blies dieser mit einem Haucheweg: Glaubwürdige Zeugnisse sprächen von Jesu Wunderthaten; dieseWunderthaten werden selbst von den Gegnern zugegeben; folglich seian Jesu göttlicher Sendung oder Göttlichkeit nicht zu zweifeln. Mendels-sohn wies auf den kurz vorher entlarvten angeblichen WnnderthäterFranks hin, der damals in Czenstochau wegen Schwindelei einge-kerkert war, und dessen Wunderthaten ebenfalls von seinen Gläubigenausposaunt und von seinen Gegnern zugestanden worden waren.

Alle Diejenigen, welche nicht der Vernunft den Abschied gegebenhatten, gaben Mendelssohn und seiner Vertheidigung Recht und sahenmit Verwunderung, daß das so sehr verachtete Jndenthum einen svbedeutenden Vorsprung vor dem gefeierten, officiellen, orthodoxenChristenthum habe. Das Judenthnm feierte durch seinen würdigenSohn einen Triumph. Der unglückliche Bekehrnngseifer Lavatersund Mendelssohns eben so feine wie kühne Abfertigung bildeten eineZeitlang den Gesprächsstoff der gebildeten Kreise in Deutschland undüber dessen Grenzen hinaus. Die Zeitungen berichteten darüber undmachten ans jeden Zwischenfall aufmerksam. Anekdoten flogen vonZürich nach Berlin hin und her. Man erzählte sich, Lavater hättegeäußert: wenn er elf Tage in völliger Heiligkeit und im Gebet ver-harren könnte, so würde er Mendelssohn unfehlbar zum Christen be-kehren können. Als dieses, jedenfalls in Lavaters Geiste zuge-spitzte, geflügelte Wort Mendelssohn zu Ohren kam, erwiderte erlächelnd:Ja, wenn ich hier in meinem Armstuhl sitzen und einephilosophische Pfeife dabei rauchen kann, bin ichs zufrieden!" Mansprach von der Mendelssohn-Lavater'schen Fehde mehr als von Kriegund Frieden. Jede Messe brachte Flugschriften in deutscher undfranzösischer Sprache, unbedeutende Erzeugnisse, die kein langes Lebenverdienten. Nur die Wenigsten derselben waren zu McndelsohnsGunsten geschrieben, die meisten nahmen sich des Christenthums unddessen Vertreters gegendie Anmaßung des Juden" an, der es sichnicht zur Ehre rechne, der Christengemeinde einverleibt zu werden.

Am schlimmsten machte es sich ein gallsüchtiger Mensch und elenderSchriftsteller, Johann Balthasar Kölbele in Frankfurt a. M., einRechtsverdreher, der aus Judenhaß oder Krankhaftigkeit des Leibesund der Seele Mendelssohn, die Rabbinen, Juden und Judenthummit so gemeinen Schmähungen begeiferte, daß er eben dadurch dieWirkung seiner Angriffe selbst lähmte. Kölbele hatte schon früher mit

S. B. X, S. 378 f., Graetz, Frank und die Frankisten, S. 59 f.