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11 (1900) Geschichte der Juden vom Beginn der Mendelsohn'schen Zeit (1750) bis in die neueste Zeit (1848)
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Mendelssohns erste Schutzschrift.

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Herz heimlich zngerufen: Schade für die schöne Seele! Ich kannbei meinen Mitbürgern nationale Vorurtheile und irrige Religions-meinungen zu erkennen glauben, und dennoch verbunden sein zu schweigen,wenn diese Jrrthümer weder die natürliche Religion, noch das natürlicheGesetz, die Sittlichkeit, unmittelbar zu Grunde richten, vielmehr zu-fälliger Weise mit der Beförderung des Guten verknüpft sind. Esist wahr, die Sittlichkeit unserer Handlungen verdient den Namen

nicht, wenn sie ans Jrrthum gegründet ist.Allein so lange

nicht die Wahrheit erkannt wird, so lange sie nicht national gewordenist, um auf den großen Haufen so mächtig wirken zu können, als daseingewurzelte Vornrtheil, muß dieses jedem Freunde der Tugend bei-nahe heilig sein.

Dieses sind die Beweggründe, die mir meine Religion undPhilosophie an die Hand gaben, Religions-Streitigkeiten zu vermeiden."Dazu käme noch, daß er Jude sei und mit Duldung zufrieden seinmüsse, da diese seinen Stammesgenossen in andern Ländern versagtsei.Ist es doch nach den Gesetzen Ihrer Vaterstadt", sagte er zuLavater,Ihrem beschnittenen Freunde nicht einmal vergönnt, Siein Zürich zu besuchen!" Die Bonnet'sche französische Schrift findeer gar nicht so überwältigend, um seine Ueberzengung wankend zumachen; er habe von Engländern und Deutschen schon bessere Ver-theidigungen des Christenthums gelesen; sie sei auch gar nicht originell,sondern deutschen Schriften entlehnt. Die Gründe seien so schwachund so wenig für das Christenthnm beweisend, daß man damit jedeReligion eben so gut oder schlecht vertheidigeu könnte. Wenn Lavaterglaube, daß ein Sokrates durch diese Schrift für das Christenthumhätte überzeugt werden können, so habe er damit nur die Gewalt,welche das Vornrtheil über den Verstand habe, bekundet. Ob dasevangelische Consistorium, dem Mendelssohn vor dem Druck seineSchrift zur Ceusur vorlegen wollte, nicht bereut hat, ihm Vollmachtertheilt zu haben, Alles nach Belieben drucken zu dürfen,weil mauvon seiner Weisheit und Bescheidenheit überzeugt ist, er werde nichtsschreiben, was öffentliches Aergerniß geben könnte"? Aergerniß hater damit gewiß manchem frommen Gemüthe gegeben. Au Deutlichkeithatte er es nicht fehlen lassen, daß er, den mauden deutschen So-krates und eine von den göttlichen Wahrheiten durchdrungene Seele"nannte, an der verachteten Religion der Juden festhalte, dagegen dasChristenthum als einen Jrrthum betrachte, der nur nicht unmittelbarschade; er fände sich nur aus mancherlei Gründen nicht berufen, diesenJrrthum aufzudecken.