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Geschichte der Juden.
Das Mendelssohn'sche Sendschreiben an Lavater machte natürlichdas größte Aufsehen. Gehörte er ohnehin seit dem Erscheinen des„Phädon" zu den auserwählten Schriftstellern, dessen Schriften jederGebildete gewissermaßen zu lesen gezwungen war, so kam noch derUmstand hinzu, daß die Streitsache eine anziehende Seite für dieGegenwart hatte. Die Freidenker — und deren gab es nicht wenigein jener Zeit — rieben sich vor Freude die Hände, daß endlich einMann, und noch dazu ein Jude, es gewagt hat, ein freimüthigesWort über das Christenthum zu äußern. Lavater hatte wegen seineraufdringlichen Art und seiner raubritterlichen Christlichkeit viele Feinde.Diese lasen Mendelssohns feine Abfertigung gegen den triumphiren-den Bekehrungseifer mit wahrer Schadenfreude. Der Erbprinz vonBrannschweig, ohnehin von Mendelssohn eingenommen, bezeugte ihm(2. Januar 1770) seine Bewunderung darüber, daß er über diesekitzliche Frage „mit so viel Takt und einem hohen Grade von Menschen-liebe" gesprochen habe. Bonnct selbst, eine um etwas sauberere Persön-lichkeit als sein Lobhudler, räumte Mendelssohn volle Gerechtigkeit einund klagte über Lavaters unklugen Eifer. Er bereitete ihm in einemSchreiben (12. Januar 1770) fast einen Triumph. Seine Schrift,mit welcher Lavater ihn, den Juden, habe bekehren wollen, habe ergar nicht an das ehrwürdige „Haus Jakob" gerichtet, für welches seinHerz die aufrichtigsten Wünsche hege; noch weit weniger sei es ihmeingefallen, dem jüdischen Philosophen eine günstige Meinung vomChristenthume beizubringeu. Er sei voller Bewunderung für die Weis-heit, Mäßigung und Geschicklichkeit des berühmten Sohnes Abrahams.Er wünschte zwar das Christenthum von ihm geprüft zu sehen, eskönne nur dabei gewinnen, wenn es von dem weisen Sohne Mendelsvon Neuem einer Untersuchung unterzogen würde. Allein er wollenicht in Lavaters Fehler verfallen, ihm damit lästig zu werden. In-dessen hat sich Bonnet bei aller seiner Tugendhaftigkeit doch einekleine Schelmerei gegen Mendelssohn erlaubt. Lavater selbst wargenöthigt, mit süßsaurer Miene in einem Sendschreiben Mendelssohnöffentlich um Verzeihung zu bitten, daß er ihn in der Form in eineschiefe Stellung gebracht hatte, beschwor ihn aber ihm das Zeugnißzu geben, daß er sich nicht geflissentlich eine Jndiscretion oder Perfidiehabe zu Schulden kommen lassen. So hatte Mendelssohn eine schöneGelegenheit, sich seinem Gegner gegenüber edelmüthig zu zeigen.Seiner Sanftmuth kostete es keinerlei Ueberwindung, Lavater zurpersönlichen Ehrenrettung zu verhelfen. Er rief ihm zu: „Kommen
u S. Ges. Schr. II, S. 99 und Lessings Brief das. S. 190 f.