Herz hat, wird hier mehr empfinden, als ich sagen kann." Wäredie Prüfung des Judenthums nicht zu dessen Vortheil ausgefallen,was hätte ihn denn an die so strenge, so allgemein verachtete Religionfesseln, was ihn abhalten können, sie zu verlassen? Etwa die Furchtvor den Glaubensgenossen? Ihre weltliche Macht ist zu gering, alsdaß sie hätte schädlich sein können. „Ich werde es nicht leugnen,daß ich bei meiner Religio menschliche Zusätze und Mißbräuche wahr-geuommen, die leider ihren Glanz verdunkeln — wie sie jede Religionim Laufe der Zeiten annimmt. — Allein von dem Wesentlichen meinerReligion bin ich so fest und unwiderleglich versichert, daß ich vor Gottbezeuge, daß ich bei meinem Grundsätze bleiben werde, so lange meineganze Seele nicht eine andere Natur annimmt." Dem Christeuthumsei er nach wie vor abgeneigt, aus dem Grunde, den er Lavatermündlich mitgetheilt, und den dieser daher nicht hätte verschweigensollen: weil dessen Stifter sich zum Gott aufgeworfen habe. „Undgleichwohl hätte meinetwegen das Judenthum in jedem polemischenLehrbuche zu Boden gestürzt und in jeder Schulübung im Triumphaufgeführt werden mögen, ohne daß ich mich hierüber jemals in einenStreit eingelassen haben würde. Ohne den mindesten Widerspruchvon meiner Seite hätte jeder Kenner oder Halbkenncr des Rabbiuischenaus Scharteken, die kein vernünftiger Jude liest, noch kennt, sich undseinen Lesern den lächerlichsten Begriff vom Zndenthum machen mögen.Die verächtliche Meinung, die man von einen: Juden hat, wünschteich durch Tugend und nicht durch Streitschriften widerlegen zu können.Meine Religion, meine Philosophie und mein Stand im bürgerlichenLeben geben mir die wichtigsten Gründe an die Hand, alle Religions-streitigkeiten zu vermeiden und in öffentlichen Schriften nur von denWahrheiten zu sprechen, die allen Religionen gleich wichtig sein müssen".
Das Judenthum sei nur für die Gemeinde Jakobs verbindlich.Es ginge so wenig auf Proselyten aus, daß die Rabbiuen im Gegen-theil vorschrieben, einen Jeden, der sich zu diesem Bekenntnisse an-biete, durch ernste Gegenvorstellungen von seinem Vorsatze abzubringen.„Die Religion meiner Väter will also nicht ausgebreitet sein, wirsollen nicht Missionen nach beiden Indien oder nach Grönland senden,um diesen entfernten Völkern unsere Religion zu predigen. — Wennunter meinen Zeitgenossen ein Confucins oder Solon lebte, so könnteich nach den Grundsätzen meiner Religion den großen Mann liebenund bewundern, ohne auf den lächerlichen Gedanken zu kommen, einenConfucius oder Solon bekehren zu wollen. Ich habe das Glück,so manchen vortrefflichen Mann, der nicht meines Glaubens ist, zumFreunde zu haben. Wir lieben uns aufrichtig, niemals hat mir mein