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11 (1900) Geschichte der Juden vom Beginn der Mendelsohn'schen Zeit (1750) bis in die neueste Zeit (1848)
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Lavater und Mendelssohn.

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genossen so wenig klar gemacht, daß Außenstehende in der That anihm irre werden konnten. Ans der Schaubühne der Oeffentlichkeitwar er ein Philosoph und eleganter Schriftsteller, der das Hnma-nitätsprineip und den guten Geschmack vertrat und sich scheinbar umdie Seinigen gar nicht kümmerte. Im Dunkel des Ghetto war erein streng orthodoxer Jude, der alle frommen Gewohnheiten, scheinbarunbekümmert um die Gesetze des Schönheitssinnes, mitmachte. Er,der in sich geeinte und gefestigte Charakter, schien eine zwiefachePerson zu sein, je nachdem er sich in christlicher oder jüdischer Ge-sellschaft befand. Er konnte allerdings nicht für das Judentbum auf-treten, ohne mit seiner philosophischen Ueberzeugnng auf der einenSeite, sei es auch nur durch Anstreifen, das Christenthum zu verletzen,und ohne ans der andern Seite, sei es mit noch so zarter Mißbilligungdes angehänften Wustes in der Synagoge, der Empfindlichkeit seinerReligionsgenossen wehe zu thnn und solcher Gestalt sich mit ihnenzu Überwerfen. Beides kam ihm vermöge seines friedliebenden Charaktersnicht in den Sinn. Er hätte sein Lebelang ohne äußern Anstoß indieser stummen Haltung verharren können, wenn ihn nicht Lavatersplumpe Zudringlichkeit ans dieser falschen, eines Mannes von ge-schichtlichem Berufe ganz unwürdigen Stellung gerissen hätte. In-dessen so schmerzlich es ihm auch war, seine innersten Gedanken überJndenthum und Christenthnm bloß zu legen, so durfte er bei dieseran ihn gerichteten Zumuthung nicht schweigen, ohne selbst von seinenFreunden für feig gehalten zu werden. Diese drangen ganz besondersin ihn, den Fehdehandschuh aufzunchmen.

So ging er denn in den ihm aufgedrnngenen Kampf, führte ihnmit vieler Gewandheit durch und blieb am Ende Sieger. In dermildesten Form sagte er in einem öffentlichen Sendschreiben an Lavater(Ende 1769) diesem und der Christenheit, die dieser vertrat, ein-schneidende Wahrheiten, deren Stimme in früheren Zeiten unfehlbarin Blut oder Scheiterhaufenqnalm erstickt worden wäre. Seine Religionhabe er von Jugend ans untersucht und bewährt gefunden. Die Welt-weisheit und die schönwissenschaftlichen Bestrebungen seien ihm nieZweck, sondern nur Mittel gewesen, sich für die Prüfung des Juden-thums vorznbereiten. Vortheil konnte er sich unmöglich davon ver-sprechen, und Vergnügen?O, mein werthgeschätzter Freund! derStand, welcher meinen Glaubensgenossen im bürgerlichen Leben an-gewiesen worden, ist so von aller freien Hebung der Geisteskräfteentfernt, daß man seine Zufriedenheit nicht vermehrt, wenn man dieRechte der Menschheit von ihrer wahren Seite kennen lernt. Werdie Verfassung kennt, in welcher wir uns befinden, und ein menschliches