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11 (1900) Geschichte der Juden vom Beginn der Mendelsohn'schen Zeit (1750) bis in die neueste Zeit (1848)
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Lavater.

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ebenso freudig von der heidnisch gewordenen Welt begrüßt, wie ehemalsvon den Heiden die durch die Inden Jesus von Nazareth und Paulusvon Tarsus ansgegangene. In gleicher Weise wie vom Inhalt,waren die Zeitgenossen von der Form bezaubert, von dem blühenden,warmen, innigen Styl, einer glücklichen, künstlerischen Nachbildung derplatonischen Dialoge. Von allen Seiten kamen dem bescheidenen ManneHuldigungsschreiben zu. Jeder Fremde von der literarischen Zunft,der Berlin berührte, versäumte nicht, den jüdischen Plato, als eineder größten Merkwürdigkeiten der preußischen Hauptstadt, aufzusuchenund ein Wort von ihm zu erhaschen. Der Herzog von Braunschweigdachte ernstlich daran, Mendelssohn für seinen Staat zu gewinnen.Der Fürst von Schaumburg-Lippe behandelte ihn wie einen Seelen-freund. Die Berliner Akademie der Wissenschaften schlug ihn zurAufnahme als Mitglied vor. Aber König Friedrich strich den NamenMendelssohns aus der Liste, man sagte sich, weil er zur selbenZeit die Kaiserin Katharina in die gelehrte Körperschaft habe aus-genommen wissen wollen und sie dadurch nicht verletzen mochte, ihreinen Inden zum Genossen zu geben. Zwei Benediktiner-Mönche,der eine aus dem Peterkloster bei Erfurt, Maurus Winkopp, und derandere aus dem Kloster La Trappe, wendeten sich mit ihren Zweifelnan den Juden Mendelssohn, als an ihren Gewissensrath, um sich vonihm Unterweisung für ein sittliches und philosophisches Leben zu er-bitten. Das BuchPhädon", das, wie gesagt, zwei Jahrzehnte späterschon veraltet war, hat ihn auf die Höhe des Ruhmes gehoben. Erhat Glück damit gemacht, weil er es zur rechten Zeit in die Weltgesetzt hat.

Selbst eine verdrießliche Geschichte diente Mendelssohn außer-ordentlich, ihn in den Angen seiner Zeitgenossen zu heben und ihmden Glanz eines Märtyrerthums zu verleihen. Johann KasparLavater, ein evangelischer Priester aus Zürich, halb Schwärmer undhalb scheinheiliger Ränkeschmied, der später mit den Jesuiten in einBündniß trat, hatte in Mendelssohns geistvollem Kopfe die sprechendeBestätigung seiner trügerischen Kunst zu finden geglaubt, aus denGesichtszügen auf den Charakter und die Seelenanlage der Menschenzu schließen (Physiognomik). Aus jeder Linie des Mendelssohn'schenGesichtes müsse der Unbefangenste sofort die Sokratische Seele herauserkennen, meinte Lavater. Er vergaffte sich förmlich in MendelssohnsKopf, schwärmte für ihn oder vielmehr für ein gelungenes Modell,das seine Knust zu Ehren bringen könnte. Nachdem MendelssohnseinenPhädon" vollständig griechisch hatte sprechen lassen, daß manden Verfasser nicht als Juden hätte erkennen können, kam Lavater

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