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Geschichte der Juden.
Seele ist das Dasein Gottes, das für ihn die allerbündigste Ge-wißheit hatte. Die Seele sei Gottes Werk, ebenso wie der Leib;dieser gehe doch Wohl im eigentlichen Sinne nach der Auflösungnicht unter, sondern verwandele sich in andere Elemente, und nochweniger könne die Seele, dieses einfache Wesen, sich auflösen und demUntergange verfallen. Ferner: Gott habe die Seele mit dem Ge-danken der Unsterblichkeit vertrant gemacht, ihn ihr eingepflanzt.Könnte er, der Gütige und Wahre, sie täuschen? „Wäre unsere Seelesterblich, so wäre Vernunft ein Traum, den uns Jupiter geschickt hat,um uns Elende zu hintergehen, so wären wir wie das Vieh hingesetztworden, Futter zu suchen und zu sterben." Jeder Gedanke, welcherzur Beseeligung des Menschen ihm eingeboren ist, müsse darum auchwahr und wesenhaft sein.
Bei der Beweisführung für die Unsterblichkeitslehre hatteMendelssohn noch eine andere edle Absicht. Er gedachte damit derKrankheit begabter Jünglinge jener Zeit, der Jernsalem-Wcrther,entgegenzuwirken, die, ohne Ziel für ihr Streben, von politischer underhebend gemeinnütziger Thätigkeit ausgeschlossen, in grillenhafter Em-pfindelei und selbsterschaffenem Schmerze sich bis zum Gedanken anSelbstmord verirrten und ihn auch ausführten, wenn der Muth nichtauch mit angekränkelt war. Mendelssohn suchte daher im „Phädon"die Ueberzengnng einzuprägen, daß der Mensch mit seiner unsterblichenSeele ein Eigenthum Gottes sei, und er daher nicht das Recht habe,über sich und sein Leben oder über die Trennung seiner Seele vonseinem Leibe eigenmächtig zu verfügen — eine zwar hinfällige Be-weisführung; aber sie genügte jenem schwächlichen, weibischen Geschlechtein Deutschland vollkommen.^
Fast mehr noch als Mendelssohn mit dem „Phädon" beabsichtigtund davon erwartet hatte, „die Ueberzengnng des Herzens, die Wärmedes Gefühles" für die Unsterblichkeitslehre zu erregen, erreichte er.Der „Phädon" wurde das gelesenste Buch seiner Zeit, und es wurdemit Herz und Seele gelesen. In zwei Jahren erlebte es, von demman sagen kann, es sei eine That gewesen, drei Auflagen und wurdebald darauf in alle europäische Sprachen — versteht sich auch in diehebräische — übertragen. Theologen, Philosophen, Künstler, Dichter,(Herder, Gleim, der junge Goethe), Staatsmänner und Fürsten, Frauenwie Männer erbauten sich daran, richteten ihren gesunkenen religiösenMuth wieder auf und dankten mit einer Schwärmerei, die heutzutagelächerlich erscheinen würde, dem jüdischen Weltweisen, der ihnen wiederjenen Trost gebracht hat, welchen das Christenthum ihnen nicht mehrgewähren konnte. Die Erlösung durch den Juden Mendelssohn wurde