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11 (1900) Geschichte der Juden vom Beginn der Mendelsohn'schen Zeit (1750) bis in die neueste Zeit (1848)
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Mendelssohn wird Schutzjnde.

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Wahrheiten derselben Deutlichkeit fähig sind, wie die Lehrsätze derMathematik." Schüchtern machte sich Mendelssohn an die Lösungdieser Frage. Er gehörte nicht zur gelehrten Zunft, hatte erst indem Alter buchstabiren gelernt, in welchem schnlmäßig abgerichteteJünglinge den Kopf voll von lateinischem Wust zu haben pflegten.Als er in Erfahrung brachte, daß sein Freund, der vielversprechendejunge Gelehrte Thomas Abt, sein Mitbewerber war, verlor er fastden Mnth und wollte zurücktreten. Und doch errang seine Arbeit(Juni 1763) den Sieg, nicht bloß über Abt, dessen Preis-Schriftder Akademie nicht einmal der Erwähnung werth schien, sondern auchüber Kant, welcher nur ehrenvoll genannt wurde. Mendelssohn erhieltden ausgesetzten Preis von 50 Dukaten und die Auszeichnung. DerJude, der Handelsmann stach die Mitbewerber von der gelehrtenZunft aus. Kants Ausarbeitung war viel tiefer angelegt; mangewahrt bereits darin den zukünftigen philosophischen Stürmer, welcherden Gesichtskreis der menschlichen Vernunft vielfach erweitern sollte.Es gährt und weht darin schon eine neue Weltanschauung. AberMendelssohns Arbeit, so flach sie auch gegen die kantische absticht,hatte den Vorzug der Klarheit und Faßlichkeit.Er hatte von denRosen der Philosophie die Dornen weggebrochen." Weil er jedeErkenntniß für sich mühsam erringen mußte, und weil es ihm anfangsschwer geworden war, sich das Kauderwelsch der Schulsprache anzu-eignen, begnügte er sich nicht mit trockenen Formeln, sondern bemühtesich, methaphysische Begriffe und Wahrheiten für sich und Anderegemeinverständlich zu machen. Dieser Umstand verhalf ihm zum Siegeüber seinen weit tiefer denkenden Mitbewerber. Seine Arbeit, zugleichmit Kants auf Kosten der Akademie ins Französische und Lateinischeübersetzt, verschaffte ihm in der gelehrten Welt einen sichern Ruhm,welcher durch den Umstand, daß der Preisgekrönte ein Jude war,nur noch erhöht wurde.

In demselben Jahre (Oct. 1763) erhielt er von König Friedricheine Auszeichnung, welche die niedrige Stellung der Juden in Preußencharakterisirt: das Privilegium eines Schutzjuden, d. h. dieZusicherung, nicht eines schönen Tages über die Grenze gewiesen zuwerden. Bis dahin wurde er in Berlin nur als Anhängsel zumHause seines Brodherrn geduldet. Der philosophische König sym-Pathisirte in Antipathie gegen die Inden mit seiner erlauchten FeindinMaria Theresia und erließ judenfeindliche Gesetze, die des Mittelalterswürdiger waren, als des sich mit Humanität brüstenden achtzehntenJahrhunderts. Er wollte die Inden in seinen Staaten eher vermindertals vermehrt wissen. Das General-Schutz-Reglement Friedrichs