Druckschrift 
11 (1900) Geschichte der Juden vom Beginn der Mendelsohn'schen Zeit (1750) bis in die neueste Zeit (1848)
Entstehung
Seite
14
Einzelbild herunterladen
 

14

14 Geschichte der Juden.

Der hohe Verfasser würde der Herablassung überhoben gewesen sein,in der Vorrede zu sagen:

Meine Muse deutsch und wunderlich

Kauderwelschend, ein barbarisch Französisch,

Meldet die Dinge, wie sie kann."

Kann ein Schriftsteller, dem der jetzige Zustand der Weltweis-heit nicht unbekannt ist, der sich allenthalben als ein gründlicher undwahrheitsliebender Kopf zeigt kann der es sich wohl haben in denSinn kommen lassen, die Lehre von der Unsterblichkeit der Seele zubestreiten?"

Wie sehr auch Mendelssohn den Tadel gegen den König versteckthatte, ein boshafter Höfling, Prediger Jnsti, entdeckte ihn, wie denNamen des Tadlers und denuncirte ihn, daß erals Jude die Ehr-furcht gegen des Königs allerhöchste geheiligte Person im frechenUrtheil über dessen Poesie aus den Augen gesetzt habe." Mendels-sohn kam plötzlich der barsche Befehl zu, sich an einem Sonnabendin Sanssouci zu stellen. Das war der Rohheit jener Zeit angemessen.Angsterfüllt begab sich Mendelssohn nach Potsdam in das königlicheSchloß, wurde ins Verhör genommen und befragt, ob er der Ver-fasser jener unehrerbietigen Beurtheilung sei. Er gestand seine Unthatein und entschuldigte sich mit der feiueu Bemerkung:Wer Versemacht, schiebt Kegel, und wer Kegel schiebt, sei er König oder Bauer,muß sich gefallen lassen, daß der Kegeljunge sagt, wie er schiebt."Friedrich mochte sich vor den französischen Spöttern in seiner Um-gebung geschämt haben, den jüdischen Recensenten wegen einiger feinenAeußcrungen zu bestrafen; Mendelssohn kam mit heiler Haut davon.

Das Glück war diesem Manne, der unbewußt der Träger derZukunft war, außerordentlich günstig. Es hatte ihm innige Freundezugeführt, die eine wahre Freude dabei empfanden, ihn, den Juden,hoch in der öffentlichen Meinung zu heben. Es verschaffte ihm einezwar nicht glänzende, aber doch ziemlich unabhängige Stellung alsBuchhalter in dem Hause, iu dem er bis dahin die kümmerlicheStellung eines Hauslehrers iune hatte. Es führte ihm eine traute,zärtliche, wiewohl einfache Lebensgefährtin zu, die ihn mit sorgfältigerLiebe umgab. In Hamburg wurde er während seines Aufenthalteszur Brautwerbung von christlichen Verehrern gefeiert, und auch derOberrabbiner Jonathan Eibeschütz fand sich dadurch bewogen,ihm ein Zeichen seiner Anerkennung zu geben. Das Glück verschaffteihm bald einen großen Triumph. Die Berliner Akademie hatte einePreisaufgabe ausgeschrieben:Ob die philosophischen (metaphysischen)