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11 (1900) Geschichte der Juden vom Beginn der Mendelsohn'schen Zeit (1750) bis in die neueste Zeit (1848)
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führte ihres Unglückes, nicht weichen zu wollen schien. Mendelssohnempfand ein wahres Entsetzen vor der Verwahrlosung der Sprache.Er verstand es, daß das jüdische Sprachgemisch nicht wenigzur Un-sittlichkeit des gemeinen Mannes" beigetragen habe und versprach sicheine günstige Wirkung von der beginnenden Sorgfalt auf eine reineSprache. Es war nur eine andere Seite der Sprachverderbniß, daßdie deutschen und polnischen Juden auf dem ganzen Erdenrund denFormensiun, Geschmack an künstlerischer Schönheit und ästhetischesGemeingefühl eingebüßt hatten. Der Druck von außen und die Be-lastung von innen, welche sie zu einer wahren Knechtsgestalt heruuter-brachteu, hatten diesen Adel, wie so manchen anderen, aus ihrer Mitteverbannt. Auch dieses geistige Gut erwarb Mendelssohn für sie. Ereignete sich einen so bewunderungswürdig zarten Sinn für Formen-schönheit an, daß er später von den Deutschen als Richter in Ge-schmacksfragen anerkannt wurde. Der verkehrte Studiengang derJuden seit dem vierzehnten Jahrhundert hatte auch ihren Sinn fürdas Einfache abgestumpft. Sie hatten sich so sehr an Gekünsteltes,Geschraubtes, Verschnörkeltes und an Witzeleien gewöhnt, daß dieeinfache, schmucklose Wahrheit in ihren Augen werthlos, wo nichtkindisch und lächerlich erschien. Ihr Gedankengang war meistens ver-schroben, verwildert, der logischen Zucht trotzend. Derjenige, welcherihnen die Verjüngung wiederbringen sollte, hatte sich selbst in derkürzesten Zeit so unnachsichtlich erzogen und geschult, daß ihm ge-schraubtes Wesen und geschraubte Gedanken widerwärtig waren. Mitdem feinen Sinne für das Einfache, Schöne und Wahre, das er sicherrungen hatte, öffnete sich ihm das tiefe Verständniß für die biblischeLitteratur, deren Grundwesen eben Einfachheit und Wahrheit ist.Durch die dichten Schichten von Schutt und Schimmel, welche Com-mentarien und Supercommentarien darauf abgelagert hatten, dranger in ihren tiefen Kern und war im Stande, die schönen Gebildevon Staub zu reinigen, das Uralte als eine neue Offenbarung zuverstehen und verständlich zu machen. Wenn er auch nicht begabtwar, seine Gedanken dichterisch und rhythmisch zu gestalten, so hatteer doch eine feine Fühlung für den dichterischen Gehalt in jederLitteratur und noch mehr für den ihm heimischen in der heiligenSprache. Und was allen diesen Errungenschaften die Krone aufsetzte,war, daß er von einem so sittlichen Zartgefühl, von einer so peinlichenGewissenhaftigkeit und Wahrhaftigkeit erfüllt war, als flöße in seinenAdern das Blut einer langen Reihe edler Geschlechter, welche Ehren-haftigkeit zu ihrer Lebensaufgabe erkoren hätten. Auch eine fastkindliche Bescheidenheit zierte ihn, die aber von der sich selbst weg-