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Mendelssohns deutsche Gesinnung.
bis zum Throne des philosophischen Königs Friedrichs II., welcherdas Einheimische nicht genug verachten und das Fremde nicht genugbewundern konnte. Der Jude war deutschgesinnter oder deutsch-thümelnder, als die meisten Deutschen seiner Zeit.
Das jüdisch-patriotische Gefühl verläugnete er dabei nicht; esstand in seinem Innern im Einklänge mit seiner Vorliebe für dasDeutschthum. Obwohl er sein Lebelang das Mißbehagen an Spinozaswühlerischem Systeme nicht überwinden konnte, suchte er doch in seinerErstlingsarbeit dessen Erstgeburtsrecht an den Gedankenerzeugnissen derneuen Metaphysik zu retten. Die „philosophischen Gespräche" übergabMendelssohn seinem Freunde mit der scherzenden Bemerkung, daß erebenfalls so etwas wie der Engländer Shaftesbury zu Standebringen könne. Hinter seinem Rücken wurden sie von Lessing demDrucke übergeben; er flocht damit das erste Blatt zu dessen Ruhmes-kranze. Durch Lessings Eifer, ihn nach jeder Seite hin zu fördern,wurde Mendelssohn im Berliner Gelchrten-Kreise bekannt. Als sichin der bis dahin litterarisch ziemlich öden preußischen Hauptstadt ein„gelehrtes Kaffeehaus" bildete, woran eine geschlossene Gesellschaftvon etwa hundert Männern der Wissenschaft Theil nahm, übergingendie Gründer den jungen jüdischen Philosophen nicht, luden ihn vielmehrzur Mitgliedschaft ein. Je ein Mitglied pflegte alle vier Wochen einwissenschaftlich ausgearbeitetes Thema vorzutragen. Mendelssohn aber,den Schüchternheit und das mangelhafte Organ verhinderten, selbstvorzulesen, lieferte seinen Beitrag schriftlich: „Betrachtung überdie Wahrscheinlichkeit", welche in der beschränkten Erkenntniß-sphäre der Menschen die Gewißheit ersetzen muß. Noch während derVorlesung wurde er als Verfasser erkannt und erntete den Beifallder urtheilsfähigen Gesellschaft. So war Mendelssohn in der Repu-blik der Litteratur eingebürgert, nahm thätigen Antheil an allenlitterarischen Erscheinungen der Zeit und lieferte Beiträge zur „Biblio-thek der schönen Wissenschaften", die sein Freund Nikolai ins Lebengerufen hatte. Mit jedem Tage mehr läuterte sich sein Geschmack,veredelte sich sein Styl, klärten sich seine Gedanken. Seine Dar-stellungsweise war um so anziehender, als er sie durch feinen Witzzu würzen verstand.
Gerade Dasjenige, was die Judenheit durch die Erniedrigungtausendjähriger Knechtschaft eingebüßt hatte, erwarb Mendelssohn fürsie in der allerkürzesten Zeit. Sie hatte im Allgemeinen — bis ansden Bruchtheil der portugiesischen und italienischen Inden — diereine Sprache, das erste Mittel des geistigen Verkehrs, verloren unddafür ein lallendes Kauderwelsch angenommen, das, ein treuer Ge-