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11 (1900) Geschichte der Juden vom Beginn der Mendelsohn'schen Zeit (1750) bis in die neueste Zeit (1848)
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Geschichte der Juden.

zaubert. Ein freundschaftlicher Blick von ihm, gestand er ihm ein,habe so viel Macht auf sein Gemüth, um allen Gram daraus zu ver-bannen. Nachhaltig regten sie einander an. Lessing, der damals nurSchöngeist" war (wie man es nannte), brachte Mendelssohn denSinn für edle Formen, ästhetische Bildung, für Poesie und Kunst bei,und dieser gab jenem wiederum philosophische Gedankenanregnng. Sogaben und empfingen sie wechselseitig, das rechte Verhältnis) gediegenerFreundschaft. Sie schlossen den innigsten Freundschaftsbund, der sostark war, daß er die beiderseitigen Freunde umschloß, über das Grabhinaus dauerte und sich gewissermaßen in beiden Familienkreisenvererbte.

Die Anregung, welche Mendelssohn von seinem Freunde empfing,war für ihn und die Juden überhaupt außerordentlich befruchtend,und man könnte ohne Ucbertreibnng behaupten, daß Lessing viel zurVeredelung des jüdischen Stammes beigetragen hat, vielleicht viel mehr,als für das deutsche Volk. Das kam allerdings daher, daß die Judenlernbegieriger und empfänglicher waren. Alles, was sich Mendelssohnim Umgänge mit seinem Freunde aneignete, kam der Judenheit zuGute. Durch seinen Freund, der vermöge seiner genialen, sympathischenNatur eine zauberhafte Anziehungskraft auf begabte Menschen aus-übte, kam Mendelssohn in dessen Freundeskreise, lernte Umgangs-formen und streifte das Ungelenke von sich ab, das ihm vom Ghettoher anhaftete. Er verlegte sich zunächst mit allem Eifer auf die An-eignung eines anziehenden deutschen Styles, eine für ihn um soschwierigere Aufgabe, als ihm die deutsche Sprache fremd und derunter den Juden übliche deutsche Wortschatz veraltet und irreführendwar. Er hatte auch kein Muster vor Augen; denn ehe Lessing mitseinem Geist den deutschen Styl befruchtete, war dieser schwerfällig,holperig und unschön. Aber Mendelssohn überwand alle Schwierig-keiten. Er entzog, wie er sich ansdrückte,der ehrwürdigen Matrone(Philosophie) einen Theil seiner Liebe, um sie der leichten Dirne (densogenannten schönen Wissenschaften) zu schenken". Ehe ein Jahr seitseiner Vertrautheit mit Lessing abgelaufen war, konnte er schonphilosophische Gespräche" in frischer Darstellung ansarbeiten (An-fang 1755^), worin er, der Jude, die Deutschen tadelte, daß sie, dentiefen Gehalt ihres Geistes verkennend, sich unter das Joch des franzö-sischen Geschmackes beugen:Werden denn die Deutschen niemals ihreneigenen Werth erkennen? Wollen sie ewig ihr Gold für das Flitter-gold ihrer Nachbarn Umtauschen?" Dieser Tadel reichte höher hinauf