Mendelssohns Umgang mit Lessing.
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gewidmet. Mit dem Drama „Die Inden" wollte er den Beweisführen, daß ein Jnde uneigennützig und edel sein könne, und erregtedadurch das Mißfallen der gebildeten christlichen Kreise. Ein Judeauf Reisen rettet unerkannt einen Baron ans Mörderhand, weist jedeBelohnung und Dankbarkeit ab und auch das Entgegenkommen derlebhaften Tochter des Geretteten, deren Hand ihm der Vater anbietet.Znm Erstaunen des ganzen Kreises stottert er die Worte hervor: „Ichbin — bin Jnde", und fügt mit Selbstgefühl hinzu: „Zu aller Ver-geltung bitte ich nichts, als daß Sie künftig von meinem Volke etwasgelinder und weniger allgemein urtheilen. Ich habe mich vor Ihnenverborgen, nicht weil ich mich meiner Religion schäme, nein, ich sahaber, daß Sie Neigung zu mir und Abneigung gegen meine Nationhatten". Den Vertreter des dicken Vornrtheils, den Diener desInden, der ihn ans Roth und Elend gezogen, läßt der Dichter derbherauspoltern: „Sie haben in mir die ganze Christenheit beleidigt,daß Sie mich in Dienst genommen, anstatt mir zu diene»". — DenJuden läßt Lessing darauf entgegnen: „Ich kann Euch nicht zumuthen,daß Ihr besser als der andere christliche Pöbel denken sollt." Erbleibt auch dem Baron, dem Vertreter der vornehmen Welt, nichtsschuldig. Auf dessen Ausruf: „O wie achtungswürdig wären dieInden, wenn sie alle Ihnen glichen!" — „Und wie liebenswürdig dieChristen, wenn sie alle Ihre Eigenschaften hätten"! — Das, wasLessing beim Schaffen dieses Dramas als Ideal vorschwebte, einenedlen Juden zu finden, erkannte er sogleich in Mendelssohn, und eshat ihn gewiß gefreut, daß er sich mit seiner Dichtung nicht vergriffenund die Wirklichkeit ihn nicht Lügen gestraft hat.
Sobald Lessing und Mendelssohn Bekanntschaft mit einandergemacht hatten, lernten sie einander verehren und lieben. Der Letzterebewunderte an seinem christlichen Freunde die Gewandtheit und Zwang-losigkeit, den Muth und die abgerundete Bildung, den sprudelndenGeist und die Kraft, mit welcher dieser eine neue Welt auf seinenRiesenschultern trug, und Lessing bewunderte an Mendelssohn wiederdie Gedankenhoheit, den Wahrheitsdrang und die auf sittlichem Grunderuhende Charakterfestigkeit. Sie waren Beide von so hohem Gesinnnngs-adel durchdrungen, daß je Einer von ihnen das an dem Andern hochanschlug, was er an sich nicht in derselben Vollkommenheit wie beidem Freunde gewahrte. Lessing ahnte in seinem jüdischen Freundeeinen zweiten „Spinoza, der seiner Nation Ehre machen würde".Mendelssohn war wiederum förmlich von Lessings Freundschaft be-
Gedichtet 1749.