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11 (1900) Geschichte der Juden vom Beginn der Mendelsohn'schen Zeit (1750) bis in die neueste Zeit (1848)
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Geschichte der Juden.

lingskleide und das Entzücken des reinen Menschengemüthes bei dieserWandlung schilderte. Seine Schilderungen lassen in ihm bereitsden künftigen, gemeinverständlichen Philosophen ahnen. Die Leidens-schule, die er mehrere Jahre durchgemacht hat, hatte seinen Geist, stattihn niederzudrücken, geweckt, gehoben und veredelt. Diese hörte fürseine Genügsamkeit mit der nicht sehr glänzenden Stellung als Er-zieher auf, die er in einem vermögenden Hanse, bei Isaak Bernard,antrat. Aber seine Lehrjahre waren noch nicht abgeschlossen. Nochwogte das Alte und Neue, das Ueberkommene und Ursprüngliche inseinem Geiste durcheinander. Klarheit und Bewußtsein sollten ihmerst von einer andern Seite zugeführt werden.

Zu den großen Geistern, welche Deutschland zuerst im achtzehntenJahrhundert erzeugte, gehörte Gotthold Ephraim Lessing (geb.etwa 9 Monate vor Mendelssohn, starb 5 Jahre vor ihni). Er warder erste freie Mann in Deutschland, vielleicht freier als der könig-liche Held Friedrich, der sich zwar vom Köhlerglauben frei gemachthatte, aber auch seine Götzen hatte, denen er opferte. Mit seinerRiesengröße stieß Lessing späterhin alle Schranken und Regeln um,welche verdorbener Geschmack, verstaubte Gelehrsamkeit, hochmüthigeRechtgläubigkeit und das Zopfthnm jeder Art, das in Deutschlandso recht heimisch war, aufgeführt, gehalten und verewigt wissen wollten.Die Befreiung, welche Lessing den Deutschen brachte, war viel tieferund nachhaltiger als die, welche Voltaire mit seiner beißenden Laugein der verdorbenen französischen Gesellschaft angeregt hatte, weil jenereine ästhetisch-sittliche Größe war und einen Gegensatz zur Leichtfertig-keit des französischen Spottvogels bildete; ihm war die VeredelungZweck, der Witz dagegen nur Mittel. Lessing wollte das Theaterzur Kanzel und die Kunst gewissermaßen zu einer Religion erheben.Vvltaire würdigte die Philosophie zum Salongeklatsche herab.

Es war ein sehr wichtiger Augenblick für die Geschichte derJuden, in dem die beiden jungen Männer, Mendelssohn und Lessing,Bekanntschaft mit einander machten. Man sagt, daß ein leiden-schaftlicher Schachspieler, Isaak Heß, sie beim Schachbrett zusammen-geführt habe (1754). Das Königsspiel hat gewissermaßen zwei Königeim Reiche der Gedanken zu einem Bündniß vereinigt. Lessing, derSohn eines Pastors, war eine demokratische Natur; er suchte geradedie Verstoßenen und von der öffentlichen Meinung Geächteten auf.Wie er kurz vorher in Leipzig sich unter Schauspielern und späterin Breslau unter Soldaten herumtnmmelte, so scheute er sich nicht,in Berlin mit geächteten Juden zu Verkehren. Hatte er doch dieErstlinge der Kunst, die ihm als die höchste erschien, dem Paria-Volk