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11 (1900) Geschichte der Juden vom Beginn der Mendelsohn'schen Zeit (1750) bis in die neueste Zeit (1848)
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Mendelssohns Studien.

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für diesen Kreis aufgestellt hat. Brod mit Salz, trinke Ange-messenes Wasser, schlafe ans harter Erde, führe ein Leben voller Ent-behrung und beschäftige dich mit der Lehre". Sein Ideal reichtedamals nicht weiter, als sich im Talmndstndinm zu vervollkommnen.War es der Zufall, der diesrn reichhaltigen Keim grade in den Ber-liner Boden eingrub? Oder wäre er dasselbe geworden, wenn er mitFränkel in Dessau geblieben oder wenn dieser nach Halberstadt oderFürth, Metz oder Frankfurt berufen worden wäre? Schwerlich! Soeingezogen Mendelssohn auch lebte, wehte doch aus der preußischenHauptstadt eine frische Luft bis in das enge Gehäuse seiner rabbi-nischen Studien hinein. Mit der Thronbesteigung des großen Friedrich,welcher neben dem Kriegsgott auch den Musen opferte allerdings nurin französischer Hülle, begannen literarische Liebhaberei, franzö-sisches Wesen und auch Religionsspötterei die Berliner Juden anzu-streifen. So beschränkt auch ihre Stellung unter Friedrich war, soging, weil Mehrere unter ihnen Wohlhabenheit erlangten, der neueGeist, wie einseitig und oberflächlich auch immer, nicht spurlos anihnen vorüber. Ein Drang nach Bildung, Neuerung und Nachahmungdes christlichen Wesens begann sich unter ihnen bemerkbar zu machen.Ein Jude, Abraham Posner, beging das damals Unerhörte, sichden Bart abzuscheeren. Die Strenge, welche die jüdischen Vorsteher,Anhänger des Alten, anwendeten, um Alles in hergebrachter Weisezu erhalten, beweist, daß das Neue schon Reiz ausübte. Der Vaterder Ephraimiten zwang jenen Abraham Posner vermittelst eines vomKönig erwirkten Befehles, den Bart wieder wachsen zu lassen^). Einjunger Mensch, Großvater der Familie Bleichröder, wurde von einemArmenverweser ans Berlin gewiesen, weil er beim Tragen einesdeutschen Buches ertappt worden war 2 ).

Was die Polen an der Verwilderung der Judenheit verschuldethatten, machte ein Pole theilweise wieder gut. In derselben Zeitwar nämlich ein polnischer Talmndist, Israel Levi Zamosö (geb.vor 1700, starb in Brody 1772^) nach Berlin gekommen, empfohlen

U König, Annalen der Juden im preuß. Staate, S. 285, Am».

2 ) Mendelssohn, Ges. Schriften I, S. 9.

2 ) Zamosc-s Todesjahr s20. April 1772s ist genau angegeben zum Schlußseines Kusari-Comment. -wm irm, wo auch angegeben ist, daß die Gemeindeseiner Leiche Ehren erwiesen habe. Sein erstes Werk i>nar." n-" (Franks, a. O. 1741 >ist von mehreren Rabbinern approbirt. Ich weiß nicht, ob die Nachricht von denVerfolgungen, die er in Polen wegen seiner Aufgeklärtheit erlitten haben soll(Sal. Maimon. Lebensgeschichte II, S. 188 f. und Nikolai, Ergänzung zuMendelssohns Biographie, ges. Schr. V, S. 205) nicht ein Mythus oder über-trieben ist. Falsch ist jedenfalls das Todesjahr 1770 bei Nikolai. sVgl. auchLandshuth in derGegenwart", Jahrg. 1867, S. 325 f.s