Moses Mendelssohn.
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seine Wahrheit ist, so ließ er alsbald sein Wahngebilde fahren nndwandte sich dem Lichte zu, nnd sein Geist begann alsbald seinen Leibzn verklären, seine gebengte Gestalt zn heben, die häßlichen Züge ver-loren sich, und es fehlt nicht viel, um den Schimpfnamen „Jude" ineinen Ehrennamen verwandelt zu sehen.
Diese Verjüngung oder Wiedergeburt des jüdischen Stammes,die man mit Fug und Recht als von Mendelssohn ausgegangen, an-sehen kann, hat das Charakteristische, daß der Urheber dieses großenWerkes es nicht beabsichtigt hat, kaum eine Ahnung davon hatte, ja,wie schon angedeutet, an der Verjüngungsfähigkeit seiner Stammes-genossen fast verzweifelte. Er hat diese ganz unbeabsichtigte Veredlungauch nicht vermöge seines Berufes oder Amtes bewirkt. Er war nichtein Prediger in der Wüste, welcher die verlornen Söhne Israels zurSinnesänderung aufrief, er hielt sich vielmehr sein Lebelang 'scheuvor jeder geflissentlichen Einwirkung zurück. Selbst wenn ausgesucht,wich er jeder Führerschaft aus, mit dem öfter ausgesprochenen Ge-ständniß, keinerlei Fähigkeiten dazu zn haben. Mendelssohn spielteeine einflußreiche Rolle, ohne es zu wissen nnd zn wollen; er weckteunwillkürlich die schlummernde Begabung des jüdischen Stammes, dienur eines Anstoßes bedurfte, um aus dem gebundenen Zustandeherauszutreten und sich zn entfalten. Seine Lebensgeschichte ist darumso interessant, weil sie vorbildlich die Geschichte der Juden in derneueren Zeit ist, wie sie sich aus Niedrigkeit und Verachtung zurHöhe und zum Selbstbewnßtsein emporgearbeitet haben.
Moses Mendelssohn (geb. in Dessau, 6. September 1729, starbin Berlin 4. Januar 1786^), war ebenso unscheinbar und elend, wiefast alle ärmlichen jüdischen Kinder. Die Knechtsgestalt trugen da-mals meistens schon die jüdischen Neugebornen in der Wiege. Fürgeweckte Knaben gab es keine Jugend; denn sie wurden früh genugvon dem eisigen Hauch des rauhen Lebens dnrchfröstelt und geschüttelt,aber eben dadurch wurden sie zeitlich znm Denken geweckt und zumKampfe mit der lieblosen Wirklichkeit gestählt. Eines Tages klopfteder kaum vierzehnjährige schwächliche Mendelssohn an das Eingaugs-Pförtchen eines der Thore Berlins. Ein jüdischer Aufpasser, eine ArtPolizeidiener, der Schrecken zngewanderter Inden, welcher den Auftraghatte, Solche, die ohne Subsistenzmittel waren, nicht in die Stadt zu
9 M. Mendelssohns Leben ist vielfach von Inden und Christen dargestelltworden. Die Hauptmomcnte sind neuerdings von einem seiner Nachkommen,Prof. G. B. Mendelssohn, zur Ausgabe der gesammelten Schriften (Leipzig1843—45, 7 Bände) zusammengestellt. Einige Ergänzungen dazu lieferteKapserling a. a. O.
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