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11 (1900) Geschichte der Juden vom Beginn der Mendelsohn'schen Zeit (1750) bis in die neueste Zeit (1848)
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Geschichte der Juden.

schcifts- und willensbegabten Einzelwesen zu einem Nationalkörper.Hat nun ein mühsam gebildeter Volksorganismns seine Lebenskrafteingebüßt, ist das Band gelockert, welches die Einzelnen im Dienstdes Ganzen zusammenhielt, ist die innere Auflösung eingetreten undfehlt noch dazu der despotische Wille, welcher wenigstens mechanischdie Glieder verbinden und das Anseinanderfallen verhüten könnte,mit einem Worte, ist eine Volksgemeinschaft als solche dem Todeverfallen und eingesargt, so könnte sie, so sollte man meinen, nichtmehr einen Auferstehungsmorgen erleben. Solchergestalt sind zahl-reiche Völker in uralter und neuerer Zeit untergegangen. Zeigt sichaber in einem solchen Volk dennoch eine Wiedergeburt, d. h. einAuferstehen aus der Erstorbenheit und augenscheinlicher Fäulniß, undgeschieht das in einem Stamme, der über die Jugendkraft längst hinausist, dessen Geschichte Tausende von Jahren zählt, so verdient ein solchesWunder die aufmerksamste Beachtung jedes Menschen, der an wunder-baren Erscheinungen nicht stumpfsinnig vorübergeht.

Der jüdische Volksstamm zeigt nicht bloß in uralten Zeiten, inden Zeiten der Wunder, wunderbare Erscheinungen, sondern auch inder Wunderlosen nüchternen Epoche. Eine Genossenschaft znm Gespöttenicht bloß für Boshafte und Gedankenlose, sondern fast noch mehrfür Wohlwollende und Denker, ja, die sich in ihren eigenen Angenverächtlich vorkam, nur ehrwürdig durch häusliche Tugenden und alteErinnerungen, aber die Einen wie die Anderen durch Nebendingeentstellt, bis zur Unkenntlichkeit verunziert, die mit bitterer Ironie sichselbst geißelte und von welcher derjenige, der ihr volles Bewußtseinvertrat, sagen konnte:Meine Nation ist in einer solchen Entfernungvon Cultur gehalten, daß man an der Möglichkeit einer Verbesserungverzweifeln möchte"'), diese Genossenschaft erhob sich doch! Sie erhobsich mit so wunderbarer Schnelligkeit aus ihrer Niedrigkeit, als wennihr ein Prophet zugerufen hätte:Auf, auf, schüttele ab den Staub,löse die Knoten Deiner Fesseln, gefangene Tochter Zions!" Und vonwem ging diese Erhebung aus? Von einem Manne, der gewissermaßendas Bild dieses Volksstammes dargestellt hat, von Moses Mendels-sohn, mit verwachsener Gestalt, linkisch, blöde, stotternd, unschön undabstoßend in seiner Aeußerlichkeit. Aber in dieser Volks-Mißgestaltwebte ein denkender Geist, der nur, irre geleitet, Hirngespinste ver-folgte, und geächtet, sich selbst nicht achtete. Sobald diesem Bolks-stamme die Wahrheit in ihrem Glanze gezeigt wurde, und daß sie

') Mendelssohn, Schreiben an Hennings, bei Kayserling: Mendelssohn, sein.Leben und seine Werke, Anhang, S. 522.