Druckschrift 
7 (1894) Geschichte der Juden von Maimuni's Tod (1205) bis zur Verbannung der Juden aus Spanien und Portugal : 1. Hälfte
Entstehung
Seite
355
Einzelbild herunterladen
 

Der Dichter Santob de Carrion.

355

durch die königliche Gunst bereicherten und rügte die Vorurtheile derspanischen Christen gegen Alles, was von Juden kommt.

Ich bin nicht weniger

Als Andere meines Glaubens,

Die vom König habenReichliche Geschenks.

Ist meine Lehre gut,

So sei sie nicht verachtet,

Weil sie ein Dichter lehrt,

Geringer als ein Ritter.

Aus dünner, schwacher Wurzel,

Wächst das duftreiche Rohr,

Und aus einem häßlichen WurmStammt die feinste Seide.

Die Rose riecht nicht weniger,

Weil sie auf Dornen blüht;

Der Wein schmeckt nicht schlechterWeil er auf Reisern reift.

Der Habicht gilt nicht geringer,

Weil im schlechten Nest geboren,

Und auch nicht die guten Lehren,

Weil sie ein Jude ertheilt.

Man acht' mich nicht geringe;

Welcher reiche Jude könnteIn die Rennbahn mit mir treten.

Zu singen, was ich singe?*)

Santob sagte auch in seinen Stanzen (mehr als 600) unter derBlume dem jungen König bittere Wahrheiten, indem er ihm einenTugendspiegel vorhielt und das Laster in seiner abschreckenden Gestaltzeigte. Zuletzt richtete er au Gott das Gebet: er möge dem Könige,dem Erhalter und Vertheidiger des Gesetzes, das Leben verlängerndie Völker seines Landes in seinem Gehorsam erhalten und vonSpanien Nebel, Krieg und Aufstand fernhalten. Santob erinnertenoch den König an Versprechungen, die schon dessen Vater ihm ge-macht, und bat ihn, sie einzulösen. Denn dieser jüdische Troubador,

N Diese Probe mag genügen, um die Darstellung Santob's zu charakteri-siren (bei liostmor III. x. 487 Stanze 38). Derselbe theilt eine bessereLesart von der einen Stanze mit (I. p>. 87):

lstou vsls sl s,yor msuosLorgus sn vil uiclo si^a,lstiu los oxsiuxlos busuos,

Lorgus lluäio los älM.

Eine spätere Hand scheint Aenderungen und Verbesserungen mit Santob'sStanzen vorgenommen zu haben. Mehr Proben giebt Kayserling a. a. O.

23*