Druckschrift 
7 (1894) Geschichte der Juden von Maimuni's Tod (1205) bis zur Verbannung der Juden aus Spanien und Portugal : 1. Hälfte
Entstehung
Seite
349
Einzelbild herunterladen
 

Die Juden in Polen.

349

in dieser Zeit in Polen umgebracht worden sein sollen, genau ist, sosteht sie in keinem Verhältniß zu der großen Menge der Schlachtopferin Deutschland. Später (1356) soll Kasimir, der von Liebe zuden Weibern beherrscht war, nachdem er seiner bisherigen Geliebtenüberdrüssig geworden war, eine schöne jüdische Concnbine NamensEsther (Esterka) gehabt und mit ihr zwei Söhne (Niemerz undPelka) nnd zwei Töchter erzeugt haben. Die beiden Töchter sollensogar Jüdinnen geblieben sein. In Folge seiner Liebe zu Esther sollder König von Polen einigen Juden (vielleicht ihren Verwandten)bedeutende Begünstigungen und Privilegien ertheilt Habens. Dochsind diese Nachrichten, von einem verdächtigen Zeugen überliefert,nicht geschichtlich gesichert.

Jedenfalls hatten es die Juden in Polen viel besser als inDeutschland, indem sie dort, wenn auch nicht den römischen Katho-liken, so doch den schismatischcn Rnthenen, Saracenen nnd Tartaren,die in Polnischen Gebieten lebten, gleichgestellt waren ^). Die kano-nischen Beschränkungen der Juden hatten in Polen noch nicht Platzgegriffen, weil die polnische Geistlichkeit im Durchschnitt mehr Sinnfür die staatlichen als für die kirchlichen Interessen hatte, mehrpatriotisch als bigott war. Noch durften da die Söhne jüdischenStammes nicht nur die eigene Landestracht und goldene Ketten,sondern auch den Degen, wie die Ritter tragen ^). Sic wurden sogarzum Kriegsdienste zngelassen.

Wie an der östlichen Grenze Deutschlands, so wurden die Indenauch an dessen westlicher Grenze, in Belgien, in der Zeit des schwarzenTodes verfolgt. In Brüssel stand ein reicher und gewandter Judein Ansehen bei dem damaligen Herzog von Brabant, Johann II. Als

') Dlugosz die Hauptquelle über das Liebesverbältnitz zwischen Kasimirund Esther (Hsstsr) a. a. O. p>. 1100 fügt hinzu: HL prsoss gnogus p»s.s-t'atas Hsstsr llrxls.ss,s st oonanbinas sxorbitantss xrasivAativus stlibsrtatss p>sr litsrs.s sinAulis llnäs,sis . . . sonosssit. (jus-rnm tostoroliclus stis-nr in clisin bans (1450) psrssvsrat. Man hat unter diesenPrärogativen und Freiheiten das von Kasimir erneuerte Judenstatut verstandenund dem polnischen Geschichtsschreiber einen Anachronismus vorgeworfen. Dennjenes Statut ist vom Jahre 1334 ausgestellt, das Verhältniß zu Esther dagegensetzt Dlugosz selbst 1357. Der Verfasser der Geschichte Polens, Caro, bezweifeltdaher das ganze Liebesfactum, zumal keine ältere Quelle davon spricht.Allein unter xrasroAutivas st libörtutss singulis llnäasis oonosssasbraucht nicht jenes Statut gemeint zu sein, sondern Privilegien für einzelneJuden.

2) Folgt aus der Urkunde für Lemberg von 1356, Abhandlung in Zeit-schrift der historisch-philologischen Gesellichaft in Breslau S. 33.

Lelewel bei Sternberg a. a. O. S. 78, 80.