Druckschrift 
7 (1894) Geschichte der Juden von Maimuni's Tod (1205) bis zur Verbannung der Juden aus Spanien und Portugal : 1. Hälfte
Entstehung
Seite
346
Einzelbild herunterladen
 

364

Geschichte der Juden.

verbrennen und ihre Güter einznzichen. So entmenscht war diedamalige Zeit, daß sich der Henker seiner That noch rühmte undeine urkundliche'Erklärung abgab, daß er im Aufträge des Mark-grafen Ludwig und mit Hilfe des Schöffen die Juden durch Feuerhabe umkommen lassen Z.

In Norddeutschland wohnten zwar damals wenig Juden, mitAusnahme von Magdeburg; aber auch da, wo sie in geringer Zahlvorhanden waren, wurden sie verbrannt oder ausgetrieben. So inHannover (1349), wohin die Geißler ebenfalls die Baalsrasereiverpflanzt hatten-). Ein jüdischer Dichter (Poetan) Baruchbeklagt die Gräuelscenen, welche die Juden in Deutschland erlitten,mit einem Thräneustrome und liefert ein Zeugniß, wenn es dessennoch bedürfte, daß sie an den ihnen aufgebürdeten Verbrechen un-schuldig waren:

Wir haben wohl gesündigt schwer!

Zu den Brunnen läuft ein boshaft Heer.

Legte uns einen Hinterhalt,

Um uns zu überfalle» mit GewaltGift schreien sie, ist im Wasser,

DaS habt ihr Ungläubige, Hasser,

Hineingeworfen, uns zu verderben;

Bleibt ihr Juden, müßt ihr sterben "

Sie selber legten in die Geräthe,

Was nicht sie, was uns nur tödtete,

Und das Gift, das.unfindbare,

Macht das Getränk, das untrinkbare,

Zu einem Meer von Thränen,

O Gott! Deinen treuen Söhnen.

Israel ging durch die Fluth,

Die verwandelte sich in Blut.

Und aus den FluthenGing es in die Gluthen.

Edle wurden angebunden.

Sie sollten Gott verrathen;

Aber keiner ward gefunden.

Der eingewilligt in so verruchte Thaten^.

Es blieben von den deutschen Juden nicht viele übrig, welcheKlagelieder über die Tausende ihrer unschuldig gemordeten Brüderhätten anstimmen können.

Z Kehrberg, Beschreibung der Stadt Königsberg in der Neumark S. 241.

2) Inschrift in der Sakristei einer Hannoverschen Kirche bei Wiener, Notenzu Drasll lla-Laslla S. 187. In dieser Inschrift kann der Ausdruck: tor-gusus st Lbrsos eher bedeuten, daß die Juden da gefoltert, als daß sieausgewiesen wurden.

b) Uebersetzung einer Linall bei Zunz, Synagogale Poesie S. 41.