Druckschrift 
7 (1894) Geschichte der Juden von Maimuni's Tod (1205) bis zur Verbannung der Juden aus Spanien und Portugal : 1. Hälfte
Entstehung
Seite
345
Einzelbild herunterladen
 

Gemetzel in Baiern.

345

viele, viele andere Die Juden zu Nürnberg, welche in Folgedes Welthandels dieser Stadt große Reichthümer und stattliche Häuserauf dem Markte besaßen und natürlich viele Schulden ausstehenhatten, erregten ganz besonders die Mißgunst der verschuldeten Christen.Ihr Untergang war so sicher, daß der Kaiser Karl IV. den Rath imVoraus vor Verantwortlichkeit sicher stellte, wenn die Inden widerdessen Willen beschädigt werden sollten^).

Endlich ereilte auch sie das herbe Geschick. Auf einem Platze,der später Judenbühl genannt wurde, errichteten die Bekenner derReligion der Liebe einen Scheiterhaufen, und diejenigen, welche nichtvorher ansgewandert waren, wurden verbrannt oder erschlagen(6. Decbr. 1349^). Nur der Rath von Regens bürg gab sich alleerdenkliche Mühe, die Gemeinde, die älteste in Süddeutschland, zuschützen. Denn auch hier verlangte der Pöbel die Ausrottung odermindestens die Vertreibung der Juden, und man fürchtete jeden Tagblutige Aufläufe gegen sie. Schon hatten die Herzoge von Baiern,die Söhne des Kaisers Ludwig, die ihre Verfolgung begünstigten,urkundlich erklärt: daß sie keinen Anspruch an die Stadt wegen derJuden erheben wollten, sondern es dem Rath und der Bürgerschaftüberließen,mit den Juden zu halten, wie sie wollten, nach Ehre undNothwendigkeit, sie auszuweisen und mit ihnen zu handeln m i t undohne Recht" (1. November). Aber der Rath und die Besten derBürgerschaft betrachteten es als eine Ehrensache, den Juden, mitdenen sie von jeher in gutem Einvernehmen standen und denen sieauch ein Jahrzehnt vorher (o. S. 327) treuen Beistand geleistet,Schutz angedeihen zu lassen. Sie erklärten an Eidesstatt öffentlichund feierlich in die Hände des Bürgermeisters Berthold Egolt-specht: daß sie dieselben treulich beschirmen und vertheidigen wollten^),und sie hielten gewissenhaft ihr Wort. Der Markgraf Ludwigvon Brandenburg, Sohn des Kaisers Ludwig, der charakterloseParteigänger für den Gegenkaiser Günther von Schwarzburg, zeigteseine christliche Gesinnung darin, daß er seinem Verweser den Auftragertheilte, sämmtliche Juden von Königsberg tin der Neumark) zu

') Vergl. Oefele Leriptorss rsrum boioarum I. p. 6t 5; Pez a. a. O. I.x. 248. Das Mainzer Memorbuch zählt nahe an 8o Gemeinden baierischerStädte auf, die in demselben Jahre vertilgt wurden. Ueber Augsburg, Stetter,Geschichte von Augsburg I. S 103.

2) Würfel, historische Nachrichten von den Juden in Nürnberg S. 92.vergl. S. 16.

o) Das. andere Quellen bei Schudt I. S. 363. Hegel, Chronikon der StadtNürnberg I. S. 25.

Gemeiner, Negcnsburgische Chronik II. S. 56 f.