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Geschichte der Juden.
Als wenn ein Wahn noch nicht genügte, das schwache Israelzu verderben, kam noch ein anderer hinzu, welcher die Entartung desdamaligen Christenthums in eine neue Art von Baalcultus bekundet.Die verheerende Pest des schwarzen Todes wurde in der Christenheitallgemein als ein Ansbruch des göttlichen Zorns wegen allzugroßerSündhaftigkeit des Volkes und der Priester angesehen und erregteden Gedanken, denselben durch außerordentliche Büßungen abznwenden.Schaaren von Menschen zogen in Deutschland umher, die, ähnlich denehemaligen Baalspriestern, ihren halbnackten Körper mit knotigenRiemen bis zum Bluten zerfleischten und durch ihre schauerlichenGesänge überall Zulauf erhielten. Wurde doch von den Geißlernein Brief vorgelesen, den ein Engel überbracht habe, des Inhalts:Jesus sei wegen der Sünde der Welt und auch wegen des Genussesvon Fleisch am Freitag sehr erzürnt und sei erst durch Fürbitteseiner Mutter Maria bewogen worden, demjenigen Sündenerlaß zugewähren, der sich vierunddreißig Tage hintereinander geißeln würde.Die Geißler entzündeten den Glanbenseifer der Volksmenge bis zurRaserei, und die nächsten Opfer waren immer die Inden. EinigeGeißler gingen geradezu auf Ausrottung der Juden aus und nanntensich mit einem gewissen Stolz Judenschläger. Ein Reim aus dieserZeit charakterisirt in wenigen Versen die Zuchtlosigkeit der damaligenChristenheit:
,,Die Pestilenz regierte geschwind.
„Nahm hin viel tausend Menschenkind.
„Die Geißler sah man nackend gehen,
„Sich selber schlagend macht' man sehen,
„Die Erde ganz erbebt zur Hand;
„Die Juden wurden viel verbrannt" st
Zum Gemetzel der Juden in Frankfurt hüben die Geißler gestachelt.
In Mainz, wo die Inden bis dahin noch verschont geblieben,hatte ein Beutelschneider während einer Geißlungsscene einem Nachbarden Geldbeutel entwendet. Darob entstand Streit und Auflauf. DasVolk nahm die Gelegenheit wahr, die Juden anznfallen ^). Aber
zeugtheit geschrieben, daß die Juden wirklich die Vergiftung angestellt hätten,Urkunden in Schillers Noten zu Königshoven S. 1026. Vergl. darüber Kriegk,Frankfurter Bürgerzwiste re. S. 423, 545, Stobbe a. a. O. S 101.st Bei A. Jaraczewsky, Geschichte der Juden in Erfurt S. 27.st So muß man die Nachricht des Albertus von Strahburg daselbst S. 149mit dem Bericht des Augustiner-Mönchs Rebdorf bei Schaab a. a. O. S. 86ausgleichen. Das genaue Datum giebt der Chronist Herb bei Schaab das.S. 87. — Die Zahl der Umgekommenen giebt Rebdorf auf 12,000 an, gewißübertrieben.