Gemetzel in Mainz und Köln.
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diese müssen schon früher untereinander den Plan verabredet habensich nicht wie Schafe abschlachten zn lassen. Dreihundert der MainzerJuden griffen daher zu den Waffen und erschlugen von der sie über-fallenden Menge zweihundert Personen. Freilich erregten sie dadurchum so mehr den Zorn der ganzen christlichen Bevölkerung, die sichebenfalls bewaffnete. Die Juden kämpften lange, und als sie vonder Uebermachl der Feinde zurückgedrängt wurden, zündeten sie ihreHäuser an (24. August). Nah' an 6000 Juden sollen damals inMainz umgekommen sein. Die größte deutsche Gemeinde war voll-ständig aufgerieben.
An demselben Tage wie in Mainz erlitten die Juden her alt-eingesessenen Gemeinde von Köln sammt denen, welche aus der Um-gegend Zuflucht in der Stadt gesucht hatten, einen Ueberfall. DerRath, welcher fest überzeugt war, daß die Seuche nicht vom Gifteder Juden verursacht, sondern eine Plage Gottes sei, hatte sie langegegen die dummgläubige Menge geschützt; er hatte es für seine Pflichtgehalten, dem Beispiele der Vorfahren nachzukommen. Allein dadie allgemeine Sterblichkeit die Zucht gelöst und die Scheu vor derObrigkeit aufgehoben hatte, so unterlag der Bürgerrath mit seinerbesseren Einsicht. Es entstanden in Köln wie an vielen Orten Aufläufeder niederen Volksklasse gegen die Inden, denen der Magistrat nichtgewachsen war. Die Angegriffenen setzten sich theilweise zur Wehr,es entstanden hier und da Brände, und das Ende war, daß sämmtlichein Köln befindliche Juden vernichtet wurden^). Wie ein unaufhalt-samer Brand wälzte sich die Jndenschlächterei durch ganz Deutschland.Wer will alle Städte von den Alpen bis zur Nordsee und vom Rheinbis zur Oder zählen, in denen die Juden verbrannt wurden odersich selbst verbrannten? Von der Gemeinde in Erfurt mit 3000Seelen blieb keiner übrsg, obwohl sie der Rath, nachdem sie bereitsin ganz Thüringen — auch in Eisenach und Gotha — erschlagenworden waren, lange geschützt hatte ^). In Breslau, wo damals einenicht unbedeutende, ziemlich begünstigte Gemeinde ansässig war, wurdedieselbe vollständig vertilgt. Hinterher hat zwar der Kaiser Karlden Rathsmännern befohlen, die Mörder einzuziehen und „ihnen Recht
1) Eimen, Geschichte der Stadt Köln II. S. 331 fg. Stobbe a. a. O. S. 228,Note 80 und Seite 285 Note 182; C. Weyden, Geschichte der Juden in Köln,S. 191 fg.
2) Aus einem Codex bei Klose, Geschichte von Breslau in Briefen II. S. 190.Inänsi oooisi ount xsr HiuriuNa.iu, sxospbs. Ilrlorckia, ssgusutü vsrc> uunooiuaiL Drlc>räis.s xsr eornuirmibk>.tsrc>., iuvibis eo usulibus. Vergl. Schudta. a. O. I. S 466 f. und Jaraczewsky a. a. O. S. 25 fg.