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Geschichte der Juden.
Karl IV., Handschreiben über Handschreiben, den Juden, seinenKammerknechten, kein Haar zu krümmen. Selbst wenn sein Ansehenin Deutschland fester gewesen wäre, würde er die Deutschen nichtwillfährig gefunden haben, die Juden zu schonen. Es gab damalsauch kein beschränkteres Volk, als das deutsche. Franzosen, Italiener,Spanier und Engländer hatten durch ihre Betheiligung an öffent-lichen Angelegenheiten ihren barbarischen Ursprung zum Theil über-wunden und trotz des mittelalterlichen Dusels ihren Sinn für dieNatur der Dinge geschärft. Das deutsche Volk aber, fern von allemöffentlichen Leben, von Adel und Pfaffen bevormundet und gegängelt,lebte in einer beständigen Traumwelt, in der Schein von Wirklichkeitnicht zu scheiden ist. Nicht bloß, um die Habe der Juden zu plündern,wie ein ehrlicher Erzähler jener Zeit, Closener aus Straßburg,bemerkt: „Ihr baares Gut war die Vergiftung, welches die Judentödtete"^), nein, nicht bloß aus Eigennutz, sondern in ehrlicherDummheit, in urwaldlicher Einfalt glaubten die Deutschen, dieJuden hätten mit einem bischen Gift den Rhein, die Donau undalle Flüsse, Quellen, Brunnen, Felder und Wiesen verdorben. Wiein der Gegend des Genfersees der Jude Jakob a Paskate und RabbiPeyret in Chambery, so sollte ein reicher und angesehener Jude,Moses in Mainz, seine Glaubensgenossen in Deutschland mitGiftmitteln versorgt Habens. Der „fürsichtige", weise Rath vielerStädte ließ daher die Brunnen und Quellen vermauern, damit dieBürger nicht Gift einschlürfen, und man bediente sich nur des Regen-oder Schneewassers. Sollten das die Juden, die Urheber diesesNebels, nicht büßen?
Indessen gab es auch wenige Einsichtige, welche den Wahn nichttheilen konnten, daß die Juden an der großen Sterblichkeit Schuldseien. Diese Wenigen verdienen einen Platz in der Geschichte, daß sietrotz der sie umgebenden Gefahr menschlich fühlten und handelten.Es war namentlich der Bürgerrath von Straßburg, der BürgermeisterConrad (Kunze) von Wintertur, der Schöppe Gosse Sturmund der Handwerkmeister Peter Schwarbe r. Diese gaben sichunsägliche Mühe, die Unschuld der Juden an den ihnen zur Lastgelegten Verbrechen an den Tag zu bringen, verteidigten und schütztensie gegen das fanatische Anstürmen des Pöbels und selbst des Bischofs.Auch der Rath von Basel und Freiburg stand auf Seiten der Uu-
Z Straßburg. Chronik in der Bibliothek der National-Literatur I. S. 104.Erst von dieser hat es Königshoven entlehnt. Schilters Noten zu KönigshovenS. 1026 f., wie Stobbe bemerkte.
2) Urkunden das. S. 1023. .