Gemetzel in Folge des schwarzen Todes. 335
Vergiftung noch die eines Mordes an einem Christenkinde hinzu, undauch hier wurden die scheinbar Schuldigen verbrannt, die Uebrigenverjagt und ein Gesetz erlassen, daß sie nimmermehr dahin zurückkehren sollten (21. Sept.*). Der Jndenbrand wälzte sich mit derAusbreitung der Pest immer mehr nordwärts. Wie die Gemeindenum den Genfersee, so wurden auch die um den Bodensee: St. Gallen,Lindau, Ueberlingen, Ravensburg, Schaffhausen, Constanz(Costnitz) und andere durch Scheiterhaufen, Rad oder Vertreibung undZwangstaufe aufgeriebeu^). In Constanz hat einer von denen, welcheaus Verzweiflung zum Christcuthum übergetreten waren, seinen Schrittgleich darauf bereut und sein Haus angezündet, um mit den Seinigenvon eigener Hand aus dem Leben zu scheiden, indem er ans demFenster rief: „Sehet ich sterbe als Jude." Durch den Brand seinesHauses sind mehr als vierzig Häuser eingeäschert wordenes. — Nocheinmal hat sich der Papst Clemens VI. für die Juden verwendet undeine Bulle an die katholische Christenheit erlassen, worin er dieUnschuld der Juden an dem ihnen zur Last gelegten Frevel aus-cinandersetzte. Er brachte alle Gründe vor, die nur geltend gemachtwerden konnten, um die Abgeschmacktheit der Anschuldigung ins Lichtzu setzen: Daß auch solche Gegenden von der Pest heimgesucht würden,in denen kein Jude wohne, und auch die Juden davon betroffenwürden. Vergebens ermahnte er die Geistlichen, die Juden in Schutzzu nehmen und belegte die falschen Ankläger und Henker mit demKirchenbann (September^). Das Kind war mächtiger geworden alssein Erzeuger, der Wahn mächtiger als das Papstthum.
Nirgends ist die Vertilgung der Juden mit mehr Gründlichkeitund Erbitterung betrieben worden, als in dem heiligen römisch-deutschen Reiche, als wären die Deutschen froh gewesen, eine Ge-legenheit zu haben, ihren tiefen Ingrimm ungestraft an der ihnenverhaßten Nation befriedigen zu können. Vergebens hatte der Papstdie Unschuld der Juden an der ihnen zur Last gelegten Seuche ver-kündet. Obwohl sonst gehorsame Knechte des päpstlichen Stuhles,hörten sie ans seine Stimme nicht, wenn sie zu Gunsten der Judensprach. Vergebens erließ der »euerwählte Kaiser, der Luxemburger
fl Quellen bei Schudt, jüdische Denkwürdigkeiten I. 323; Datum MatthäiAbend — 21. Sept. 1348 (nicht 1349 wie die erste Quelle das. angiebt).
fl Mainzer Memorbuch (No. bei Carmoly), ine-a w'in awu nim
'mna ip pi.n°> 2 ' p-nsr-wi w'is 3 . Zum
Theil auch bei Schudt.
fl Mansfeld'sche Chronik sä. Spangenberg S. 287, 337.
fl Uaroräns (Ua^nsläns) ^.nualss soslss. aä aurmra 1348 Uo. 33 vonVI. ILal. Ostobris.