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Geschichte der Juden.
entfesselter Wuth und mit herzloser Grausamkeit gegen die Juden.Zwei verworfene Edelleute führten die Schaar an; sie nannten sichvon einem Leder, das sie um den Arm gewunden hatten, KönigeArmleder. Auch diesesmal, wie bei der Verfolgung durch Rind-fleisch (o. S. 231), spielten kirchliche Schwärmerei und Glaubens-dummheit eine Rolle. Einer der Armleder gab vor: er habe einenWink von oben empfangen, die Marter und Wunden, welche Jesuserlitten habe, den Juden znznfügcn und dessen Kreuzestod in ihremBlute zu rächen. Eine solche Aufforderung blieb in Deutschland seltenohne Widerhall. Fünftausend Bauern mit Heugabeln, Aexten, Dresch-flegeln, Spießen, und was sie sonst als Waffe gebrauchen konnten,sammelten sich um die Armleder und richteten im Elsaß, am Rheinbis nach Schwaben hin ein Blutbad unter den jüdischen Bewohnerndieser Gegend an. Wie oft bei solchen Verfolgungen, legten auchdiesesmal viele Juden Hand an sich selbst und tödteten ihre Kinder'),um sie nicht der Kirche preiszngeben. Der Kaiser Ludwig der Baiererließ allerdings Befehle an die Ortsbehörden und auch an denKanzler des Reiches und an den Burggrafen von Nürnberg, die ge-hetzten Juden zu schützen (Avril 1337 allein dieser Schutz kam zuspät oder war uicht wirksam genug. Zuletzt gelang es dem Kaiser,eines der Armleder habhaft zu werden, und er ließ ihn enthaupten.
Zur selben Zeit ereignete sich eine blutige Verfolgung in Baiern^),welche Habsucht und Glaubeuswahn hervorgerufen hatten. Die Rätheder Stadt Decke ndorf (oder Deggendorf) wollten sich und dieBürger von den Schuldforderungen der Juden frei machen und sichnoch dazu bereichern. Um dieses zu bewerkstelligen, wurde wieder dieFabel von einer Hostienschändung durch die Juden mit der Zuthatvon Wundern in Scene gesetzt. Als die Bevölkerung in fanatischeWuth gesetzt war, führte der Rath den Plan aus, den er heimlich
') Quellen bei Schudt, jüdische Denkwürdigkeiten I. x. 455 f.
2) Lehmann, Israelit. (Zeitschrift) Jahrgang 1861 S. 171.
Die Quellen bei Aretin a. a. O. S. 21 ff. Die Urkunde vom HerzogHeinrich, das. S 29 mitgetheilt, beweist, daß der Wunsch der Deckendorfer, sichvon den Schulden an Juden frei zu machen, der Beweggrund der Verfolgungwar. — Das Mainzer Memorbuch zählt unter der Ueberschrift -'nr mo.o
und '.'w.v vom Jahre '.i — 1337—38 über dreißig böhmische und mäh-rische und einundzwanzig baierische Städte auf, in denen die Juden nieder-gemetzelt wurden. Eine hebr. Urkunde der Wiener Gemeinde, bei Wolf Akten-stücke Ha.ms.skir, 1866. S. 31. Ueber die Deckendorser Geschichte, wie auseiner scheußlichen Mordthat an den Juden sich Wundersagen gebildet haben,vergl. die interessante Schrift von Ludwig Steub, Altbaierische Culturbilder.1869. S. 107 fg.