Druckschrift 
7 (1894) Geschichte der Juden von Maimuni's Tod (1205) bis zur Verbannung der Juden aus Spanien und Portugal : 1. Hälfte
Entstehung
Seite
324
Einzelbild herunterladen
 

324

Geschichte der Juden.

Lösung nicht durch philosophische Mittel, sondern durch die Autoritätder Bibel herbeizuführen. Aaron Nikomedi war im Grunde gegendie Lehren der Philosophie eingenommen und stellte den Satz auf:jeder Gläubige müsse die Ansicht der Philosophen fahren lassen unddas Gegentheil für wahr halten, wenn die Thora sich dagegen aus-spricht ^). Unter den Karäern gilt er natürlich als großes Lichtund als letzte Autorität. Er verfaßte noch zwei andere Werke, einesüber die karäischen Ritualien und einen ausführlichen Commentarzum Pentateuchs, zwei Forschungsgebiete, ohne welche ein karäischerSchriftsteller, der nur etwas auf seinen Ruf gab, nicht gedacht werdenkann. Auch in diesen hat er nichts Neues geleistet, sondern lediglichdie Meinungen älterer Autoritäten einander gegenüber gestellt. Nur hinund wieder berichtigt er sie, namentlich seinen unmittelbaren VorgängerAaron I. (o. S. 278), gegen den er, wohl wegen dessen Hinneigungzur rabbanitischen Lehre, seine Antipathie nicht verbergen konnte.

Von Deutschland hat die Geschichte aus dieser Zeit nur Trübeszu berichten: blutige Anfälle, Gemetzel und Armseligkeit des Geistes.Ascheri und seine Söhne waren verblendet oder ungerecht, wenn siedas bigotte Deutschland dem damals noch leidlichen Spanien vorzogenund von Toledo aus sehnsüchtige Blicke dahin warfen. In der Zeitvon Ascheri's Abreise an bis in die Mitte des Jahrhunderts folgtenin Deutschland Leiden auf Leiden, bis fast sämmtliche Gemeindenansgerottet waren. Dadurch gerieth auch das Talmudstudium, daseinzige Fach, das in Deutschland mit Eifer und Hingebung betriebenwurde, in Verfall. Nur zwei Männer von rabbinischer Autoritättauchen aus dieser Zeit auf, und diese hatten so geringe Selbst-ständigkeit in talmudischen Kenntnissen, daß sie nur die früherenErzeugnisse zu sammeln im Stande waren und sie nicht einmalordnungsmäßig zu gruppiren verstanden. Isaak aus Düren,Jünger des Me'ir von Rothenburgs), und Süßkind Alexanderaus Erfurt, Rabbiner in Frankfurt (vor 1348Z, beide haben

1) Das. o. I.

2) nM nso und mit noch einem andern Titel, eine Liebhaberei der karäi-schen Schriftsteller: pp p, verfaßt um I3S4. Das exegetische Werk hat denTitel nam anv, verfaßt 1362. Das Vorwort und einige Partieen der Genesishat Kosegarten edirt und mit lateinischer Uebersetzung versehen: lübri OoronaslsZis i. s. OomiLsiits.rii in ^sntatsuolniru Larsätiei s-bUrons d. DIlbnvouovripiü aligob xartioulas, Jena 1824.

2) Schlettstadt Lolisrn lm-O-säoliin in Ben-Jakobs Oslwiirn LMIriru9. Sein Werk führt den Titel xaia -apL'.

ch Das. x>. 8. ^^aw^aiv 'aaw-an "a m.a a>awa>mr> avpou "a am .aa:m a->o.Ueber dessen Zeit vergl. li-ssxx. ^Jakob Weil dlo. 163: .am aaux mm