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Geschichte der Juden.
dämpfen. Wuthentbrannte Pöbelhaufen überfielen die GemeindeCervera in Folge des schwarzen Todes. Vidal Narboni mußtemit dem Rest der Gemeinde entfliehen und verlor seine Habe und,was noch schmerzlicher für ihn war, seine theuren Bücher. Dasstörte ihn indessen nicht; er setzte seine Arbeit da fort, wo er unter-brochen worden war. Freilich zu eigentlicher Selbstständigkeit brachte eres nicht; er war ein treuer Aristoteliker von averroistischer Färbung.Man darf bei ihm noch weniger fragen, was er Bleibendes geleistethabe. In seinem Hauptwerke, dem Commentar zur maimnnischenReligionsphilosophiei), an dem er mit Unterbrechungen sieben Jahrebis kurz vor seinem Tode gearbeitet hat (1355 —1362), suchte er diemaimnnischen Ansichten durch averroistische Lehrsätze zu erläutern. DasJudenthum erklärte auch Narboni als eine Anleitung, um zur höchstenStufe theoretischer und sittlicher Vollkommenheit zu gelangen; dieThora habe einen doppelten Sinn, einen einfachen, plumpen für diegedankenlose Menge und einen tieferen, metaphysischen für die Klasseder Denker, eine in jener Zeit geläufige Ansicht, von der sich nurGersonides frei hielt. Ketzerische Ansichten, d. h. solche, welche gegendas Gesammtbewußtsein des Judenthums verstießen, hat auch Narboniaufgestellt, aber nicht mit dem Freimuth und mit der Offenheit desLevi b. Gerson. An den Wundern mäkelte auch er und hätte sie gernganz und gar weggeschafft. Aber die Willensfreiheit des Menschenvertheidigte er mit philosophischen Gründen ^) gegen den Fatalismusdes Apostaten Abner-Alfonso (o. S. 290), mit welchem dieser seinenAbfall vom Judenthum beschönigt hatte. Im Begriffe, von Soria,wo er mehrere Jahre geweilt hatte, in vorgerücktem Alter in seinGeburtsland jenseits der Pyrenäen zurückzukehren, überraschte ihn derTod fast inmitten seiner Arbeiten.
Wenn der Karäer Aaron b. Elia Nikomedi auch unter diePhilosophen dieser Zeit gezählt werden sollte, so würde er sich inGesellschaft des Levi b. Gerson und der übrigen provenzalischenDenker schlecht ausnehmen. Denn ihm war sein geringes Maßphilosophischen Wissens mehr Sache der Gelehrsamkeit als des selbst-eignen Denkens. Aaron II. aus Nikomedien (in Kleinasien, geb. um
*) v-oim nii 2 I°>e>8 iini vollendet Jjar 1362 (vollstäno.g edirt vonGoldenthal Wien 1852). Seine übrigen philosophischen Commentarien sindnoch unedirt.
2) ii'ioi i 2 n 2 i (abgedruckt iin Sammelwerke Oidrs OllaeliLiuira x. 41 ff.)vollendet lllvdst 136!, wenige Monate vor seinem Tode. Vergl. darüberMunk a. a. O. x. 502 und Note,ck3.