Gersonides.
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als seine Vorgänger *). Das Dasein Gottes, als die erste und noth-wendige Ursache alles Seins, des geistigen wie materiellen, dieserPunkt galt damals als erledigt und brauchte nicht mehr erwiesen zuwerden. Aber die Frage, ob die Welt oder ihre Grundlage ewigoder erschaffen sei, war durch Averroes wieder angeregt worden, undGersonides wollte sie ihrer Lösung näher bringen. Von demErfahrungssatz, daß ein Etwas nicht aus dem absoluten Nichts ent-stehen könne, konnte auch er sich nicht losmachen und er nahm des-halb eine Schöpfung aus einem von Ewigkeit her vorhandenen Urstoffean, wie Kaspi; aber er theilt diesem Urstoff eine so dürftige, dünne,formlose Existenz zu, daß er fast dem Nichts gleiche. Man könnedaher ebenso gut sagen, die Welt sei aus Etwas, wie sie sei ansNichts geschaffenes. In irgend einer Zeit habe Gott diesem dürftigenStoff eine Form und die Möglichkeit fernerer Formentwickelung ver-liehen, und das sei der Schöpfnngsakt gewesen. Einen tatsächlichenBeweis führte Gersonides für die Zeitlichkeit des Weltalls an, daßnämlich die Wissenschaften aus kleinen Anfängen sich immer mehrausgebildet und entwickelt, daß auch Sprachen, Künste, Staats-Verfassungen sich vervollkommnet haben. Wäre die Welt von Ewigkeither in demselben Wechsel von Entstehen und Vergehen begriffengewesen, so gäbe es für alle diese Erzeugnisse des menschlichen Geisteskeinen Fortschritt, sondern ein ewiges Beharren auf demselben Stand-punkte^), was Averroes behauptet hat.
Hat Gott die Welt aus einem „fast nichtsseienden" Grundstoffgeschaffen, so kennt er die Dinge und auch die freien Handlungen desMenschen. Dadurch sei aber die Willensfreiheit nicht aufgehoben;denn Gott wisse die Geschehnisse aus seiner eigenen Natur als Mög-lichkeiten, daß sie sich so oder so verwirklichen würden^). — Auf diesevon Gott erschaffene Welt erstrecke sich nun die göttliche Vorsehung,um sie zu erhalten. In der niederen Sphäre erhalten sich lediglichdie Gattungen und Arten, während die Einzelwesen allen Zufällenansgesetzt seien. In dem Menschengeschlechte vermögen sich aberEinzelne durch höhere Erkenntniß und Sittlichkeit zu einer eigenenGattung zu erheben, dadurch mit dem Weltgeiste in Verbindung zutreten, sogar einen Einblick in die Zukunft und den Zusammenhangder Dinge zu gewinnen, und dadurch sich selbst vor Unfällen zuschützen 5). Gersonides behauptete, der Mensch besitze die Anlage derVorschau, vermöge also den Schleier der Zukunft zu enthüllen, könne
*) Das. VI x>. 68 s,. 2 ) Das. VI. x>. 60 o.
2) Das. x 58 e. ff.
H Das. III. lh Das. IV.