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Geschichte der Juden.
Werk lediglich für einen anserwählten Kreis bestimmt hatte und dieprofane Menge von ihm fern gehalten wissen wollte. Leon de Bagnolsdagegen wollte die von ihm untersuchten Fragen ans Helle Tages-licht gezogen wissen, in der Ueberzeugung, daß die Wahrheit keinenSchaden anrichten könne. Auch folgte er nicht sklavisch den fürunfehlbar gehaltenen Autoritäten der Philosophie. Er stellte vielmehrseine selbstständige Ansicht nicht blos Maimnni und Averroes, sondernauch Aristoteles entgegen.
Die Ergebnisse seiner Untersuchungen sind zwar nach dem gegen-wärtigen Stand der von den Menschen errungenen Einsicht ohne be-sondern Werth; aber die Anerkennung für sein eifriges, unermüdlichesStreben nach Klarheit und Licht wird dadurch nicht geschmälert. Erhatte auch eine viel schwierigere Aufgabe zu lösen, als Maimnni.Das Gebiet der Philosophie war nach diesem durch Averroes unddessen Schule, die Gersonides in Betracht ziehen mußte, weiter undverwickelter geworden. Fragen, die in Maimuni's Zeit noch kaumangeregt waren, forderten in der Zeit des Philosophen von Bagnolsschon ihre endliche Lösung. Er hatte aber auch die Fähigkeit dazu,sie in Angriff zu nehmen. An Kraft der Dialektik hat Levi b. Gersonebenfalls nur wenige seinesgleichen. Die allerverwickeltsten und sub-tilsten Themata wußte er mit überraschender Leichtigkeit auseinander-zusetzen, in ihre Elemente zu zerlegen, ihr Für und Wider abzuwägen.Diese seine außerordentliche Fähigkeit war durch seine talmudischeSchulung noch mehr geschärft und ausgebildet worden. Man könnteihn die lebendig gewordene Logik nennen. Indessen ist an ihm auchbemerkenswert!), daß er sich nicht immer mit Begriffen und Syllogismenbegnügte, sondern cs liebte, die Thatsachen der Natur und der mensch-lichen Erfahrung zu Rathe zu ziehen und auf ihren Ausspruch etwaszu geben. Seine gediegenen Kenntnisse schützten ihn vor dem logischenund dialektischen Uebermaß. Seine Darstellung ist nicht sehr anziehend.Denn, wie er ausdrücklich bemerkte, wollte er die nackte Wahrheit, sowie sie ist, ohne farbige und verführerische Hülle zeigen. Er ver-schmähte geflissentlich stylistische Mittel; er wollte nicht blenden oderüberreden, sondern überzeugen ^). Er wußte recht gut, daß sich hinterpomphaften, blumenreichen Phrasen nicht selten Gedankenschwächeverbirgt.
Leon de Bagnols hat kein vollständiges, abgerundetes religions-philosophisches System geschaffen, sondern lediglich die Fragen, welchedie Denker damaliger Zeit interessirten, schärfer und straffer gefaßt
i) Llilelmraot Einl. x. 3 unten.