316
Geschichte der Juden.
aus einer Gelehrtenfamilie und zählte zu seinen Ahnen jenen Leviaus Villefranche, welcher indirekt die Verpönung der Wissenschaft ver-anlaßt hat (o. S. 219). Trotz des Bannfluches Ben-Adret's gegen dieEinführung der Jugend in die Wissenschaften wurde er frühzeitigdarin eingeweiht und konnte, ehe er noch das dreißigste Jahr erreichthatte, sich an eine umfassende, gründliche philosophische Arbeit machen Z.Gersonides war ein vielseitiger und gründlicher Kopf, dem Oberflächlichkeitund Halbheit zuwider waren. Er drang daher in die verschiedenartigstenFächer der Wissenschaften, die ihn anzogen: Mathematik, Naturwissen-schaften, Arzneikunde, Astronomie, Metaphysik, Bibelexegese undTalmud so tief ein, daß er fast alle mehr oder weniger bereichertund Schriften darüber hinterlassen hat. In der Astronomie hat erseine Vorgänger berichtigt und so genaue Beobachtungen angestellt,daß Fachmänner sie ihren Berechnungen zu Grunde legten. Er erfandein Instrument, vermittelst dessen die Beobachtungen am gestirntenHimmel sicherer angestellt werden konnten. Diese Erfindung hat ihn,den poesielosen Mann, dessen Kopf von trockenen Zahlen und logischenSchlüssen voll war, so sehr in Begeisterung versetzt, daß er einhebräisches Gedicht — eine Art Räthsel — darüber machte 2). Auchin der Arzneiwissenschaft trat er als Schriftsteller auf und erfandHeilmitttel. Sogar als gründlicher Talmudist genoß er zu seiner Zeitbedeutendes Ansehen, und da er Ordnung liebte, so verfaßte er einemethodologische Schrift zur Mischna^).
(Ooäisss bis. 836). Daß er noch vor 1360 gestorben sei, bemerkt Zacuto (inder Filipoivskjschen Edition des Jochasin x. 224 b.), da ihn der Astronom Jakobb. David Poel in seinen Tafeln (angefertigt 1361) als einen Verstorbenencitiren soll. Seine astronomischen Beobachtungen reichen indeß bis 1340 oder1341. Vergl. darüber Munk IckslanAss x. 497 ff. Es soll eine lateinischeSchrift von ll,so Rsbrs-sns handschriftlich in Paris und Oxford existiren übereine Constellation vom Jahre 1341. Ferner enthält ein Baseler Codex (F. II. 33)ein Schriftchen äs nnrnsris llarrnonisis von Leo Ebreus, dessen An-fang lautet: ln Lllcrisbi insarnabiouis an. 1343 nosbro oxsrs rnatbsrnatioojain oornplsto, Lni rsgnisitns a gnsäs-in sxirnio inaZistrorana in ssisnbiarnnsioa seil, a inagistro 1?llilixx>c> äs Virbriaoo äs rs^no l?ranoie,nb äsrnonsbrarsin nnain snxpositionsin. Daraus geht hervor, daß er noch1343 gelebt hat. Vergl St inschneider hebr. Bibliographie i'vis.n Jahrg. 1869S. 162 sg. und die hebr. Uebersetzung. S. 65 ff. Eine eingehende Darstellungseines religionsphilosophischen Systems giebt M. Josl in der Monatsschrift 1860und 1861, auch als Separatausgabe erschienen. (Die Religionsphilosophie desLevi bcn Gerson, Breslau 1862) Vergl. auch I. Weil, kllilosvxllis Nsli-Aisnss äckill. b. El. ?aris 1868.
fl Vergl. Schluß des V. Abschnittes seines Llilellainot.fl Ein Theil davon ist mitgetheilt in Edelmann's Oibrs Ollskss x. 78pvn 8p. fl Tnwrm