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Geschichte der Juden.
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selbst der talmudischen Auslegung und der Agada, das Wort?Freilich hat er gegen das trockene, gedankenlose, rabbinische Wesenseine Verachtung» an den Tag gelegt und es mit Spott übergossen.Er erzählt eine Anekdote, wie er einst seinen Freunden ein Gastmahlbereiten wollte, seine Köchin aber seine Freude gestört habe, indem sieeinen für Milchspeisen bestimmten Löffel in einen Fleischtopf gesteckt.Da habe er sich an einen Rabbiner gewendet, um zu erfahren, obdas Fleisch für sein Gastmahl gebraucht werden dürfe, habe aber den-selben im Kreise der Seinigen bei einer rcichbesetzten Tafel angetroffenund lange auf Bescheid warten müssen^). Indessen waren solcbe Aus-fälle gegen das bestehende Judenthum von seiner Seite nicht ernstlichgemeint. Praktisch hat er Wohl alle Vorschriften ebenso strengbeobachtet, wie er es seinem Sohne und dem Publicum empfohlenhat. Allein in der Theorie hat Bonafoux Kaspi Sätze aufgestellt,welche, obwohl er sie in der maimunischen Rcligionsphilosophie be-gründet glaubte, weit über diese hinausgingen. Unter der fast un-übersehbaren Menge seiner Schriften über hebräische Grammatik,Bibelexegese und philosophische Fächer hat keine solche Bedeutungwie sein zwiefacher Commentar zu Maimuni's „Führer", in dem erkühne Gedanken niederlegte (nach 1332), die als Ketzerei angesehenwurden.
Maimuni hatte das Denken über die Gottheit und die Welt-ordnung fast zum religiösen Akt gestempelt und es so hoch gestellt,daß Kaspi, darauf gestützt, die vervollkommnet Denkkraft des Menschenfast Wunder verrichten ließ und damit die schwierigsten Probleme derReligionsphilosophie lösen zu können glaubte. Wie vermag die gött-liche Vorsehung sich auf die Einzelheiten des menschlichen Thuns zuerstrecken, da die Gottheit doch nur das Allgemeine in der Welt-ordnung, aber nicht das Einzelne mit seinem Thun und Treiben be-rücksichtigt? Kaspi glaubte den Schlüssel zu diesem Räthsel gefundenzu haben. Sobald der Mensch seine Denkthätigkeit bereichert, sie biszur Gotteserkenutniß erhebt und dadurch mit dem allgemeinen Welt-geiste (Leoböi im-Uoö>) in Verbindung tritt, so ziehe Gott in seinHaupt ein: „Denn Gott ist Denken, und Denken ist Gott." Derdenkthätige Mensch ist dann, so lange er in dieser hohen Gedanken-stimmung verharrt, ein Theil des Weltgeistes oder auch Gottes, dadieser die erste Ursache von Allem ist. Diese erhöhte, mit Gotterfüllte Denkthätigkeit, oder, was dasselbe sagen will, „Gott inseinem Kopfe" leite den Menschen auf allen seinen Wegen, behüte
Testament o 14.