Druckschrift 
7 (1894) Geschichte der Juden von Maimuni's Tod (1205) bis zur Verbannung der Juden aus Spanien und Portugal : 1. Hälfte
Entstehung
Seite
312
Einzelbild herunterladen
 

312

Geschichte der Juden

später geboren worden?" so klagte er ernst und bitterlich *), In demWahne, daß sich auf Maimuni's Nachkommen dessen tiefe Weisheitvererbt haben müsse, ging er (um 1312) nach Egypten. Bitter fander sich indessen getäuscht. Der Urenkel Maimuni's, Abraham II., der-selbe, welcher eine Karäergemeinde bekehrt hat (o. S. 279), undsämmtliche Nachkommen Maimuni's waren fromme, schlichte Rabbinen,aber von Philosophie hatten sie keine Ahnung. Selbst in Talmud-kenntnissen waren sie nicht bedeutend. Im Unmuthe rief Kaspi miteinem Bibelverse aus:Wehe denen, die nach Egypten wegen Hilfeziehen" ^). Nachdem er mehrere Monate in Egypten und im Orientgeweilt und sich überzeugt hatte, daß das Licht der Erkeuutniß imMorgenland erloschen war, kehrte er nach Frankreich zurück und ver-legte sich darauf, aus eignen Mitteln und aus Schriften sich diehöhere Erkenntniß, nach der er dürstete, zu verschaffen. Während derHirtenverfolgung oder der darauf folgenden Anschuldigungen gegen dieJuden wegen Brunnenvergiftung (o. S. 254 fg.) kam Kaspi in Ver-suchung, seinen Glauben oder sein Leben für denselben einzusetzen. Erblieb seiner Religion treu, kam aber doch mit dem Leben davon"). Kaumgerettet, widmete er seine ganze Thätigkeit der Erforschung der Wahr-heit aus der heiligen Schrift und den philosophischen Quellen, machteEntwürfe zu einer langen Reihe von Schriften, die er für sich undseine Söhne ausarbeiten wollte, unternahm weite Reisen zu diesemZwecke nach Catalonien, Mallorca, Aragonien, Valencia <132732)und gedachte sogar über die Meerenge nach Fez zu reisen, weil ervernommen hatte, daß sich dort jüdische Weisen befänden, von denener etwas lernen zu können glaubte. Schon im fünfzigsten Lebens-jahre stehend und mit bedeutenden Kenntnissen ausgerüstet, betrachtetesich Kaspi noch immer als Jünger und sehnte sich nach einem großenMeister, oder wenigstens nach einem würdigen Genossen oder einemempfänglichen Jünger, mit dem er sich in Gedankcnverkehr über philo-sophische Fragen setzen könnte^). In seiner Heimath fand er wenigGleichgesinnte, nm auf solche Untersuchungen einzugehen. SeinenZeitgenossen Gersonides scheint er nicht gekannt zu habeu.

Von Valencia aus richtete Kaspi eine Art letztwillige Ermah-nung an seinen zwölfjährigen Sohn, den er in Tarascon gelassenhatte (Ellul August 1332),für den Fall, daß ihn ein Wind inweite Fernen entführen oder der Tod ihn von ihm trennen sollte".

') Bei Kirchheim Eint. a. a. O. S. III.

9 Daselbst und im Testament, Anfang.

9 Im Katalog in Osbariva XtiMlra Heft II. x. tl.

9 Testament, versaßt Ellul 1332, in Daam Lslrsniva x. 49.