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Geschichte der Juden.
man kann sagen in einer Rauferei zwischen der jüdischen Religion undder Philosophie i). Der Vertreter des talmudischen Judenthums(Rborani) tritt in diesem Wechselgespräch als ein alter Mann mitlangem Bart und in gebückter Haltung auf; er erscheint in einenBetmantel gehüllt. Sein philosophischer Gegner ist ein Jüngling inherausfordernder Stellung. In einer großen Volksversammlung (inJerusalem) zanken diese beiden mit einander mit heftigen Geberden.Der Greis klagt den Jüngling an, daß dieser und seine Genossendarauf ausgingen, den alten Glauben aufzulösen, dadurch die Ver-bannung Jsrael's zu verlängern, seine Erlösung hinzuhalten und denDruck zu vermehren. „Sie verändern die Religionsgesetze, spottender talmudischen Weisen und führen fremde Schriften ein, welcheGottesleugner verfaßt haben. Diese Ketzer lernen den Glauben vonden Ungläubigen. Diese Philosophen besuchen nicht das Bethaus,legen die Schaufäden nicht an ihre Gewänder, binden nicht die Bet-riemen an Kopf und Arm." — Der Greis ermahnt die Menge, denJüngling zu steinigen oder zu verbrennen. Dieser erwidert in gereiztemTon, daß der Alte über etwas urtheile, wovon er gar nichts verstehe.Die philosophische Weisheit (Norbaba) stehe höher als der Talmud.Die Gesetze des Judenthums seien nicht für Gott, der keiner An-betung bedürfe, sondern lediglich znm Frommen für dessen Bekennersie hätten daher sämmtlich einen vernünftigen Zweck. Darum sei vonihrer Beobachtung kein Lohn jenseits zu erwarten, da sie ihre Be-lohnung in sich selbst trügen. Die Frage, wie es komme, daß derSünder oft glücklich und der Fromme so oft unglücklich sei, habekeinen Sinn. Tugend und Weisheit gewähren an sich Glück, Lasterund Thorheit seien an sich Unglück.
Da der Greis sieht, daß er mit seiner Heftigkeit nicht durch-driugen kann, bedient er sich der Satyre und macht sich über dieWissenschaften lustig: daß sie Vermuthungen als Gewißheit, Täuschungenals Wahrheit ansgeben. Der Jüngling entgegnet darauf: erst durchden ausgebildeten Geist vermöge der Mensch sich zu seiner Würde zuerheben und sich vom Thiere zu unterscheiden. Denn nicht mit denSinnen erkenne man die Dinge, sondern mit dem geistigen Auge.Erst durch einen philosophisch gebildeten Sinn vermöge der Menschdas Wahre vom Falschen, das Rechte vom Unrechten, das Verbotenevom Erlaubten zu unterscheiden. Ohne philosophische Einsicht erlägendie Menschen dem wüsten Aberglauben, Betrügereien und Wahn-gebilden; die Philosophie dürfe daher dieselbe Glaubwürdigkeit be-
U Im zweiten Theil seines ai.i 11?, fragmentarisch edirt in demselbenSammelwerk.